Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

The Crash

February 04 1921 Friday 9am Aero-Gare Le Bourget  Paris

Der Höhenflugwettbewerb soll morgen stattfinden, aber die begleitende Ausstellung & das Showprogramm beginnen schon heute. So wie das Flugrennen, auf das sich Mycroft auf dem Flughafen jetzt vorbereiten muss…

In Erwartung des Wettfliegens ist ganz Paris ist auf den Beinen…

Auszug: Maurice Renard, Le Péril Bleu:
„Zum erstenmal sollte Lutetiens alter Himmel einer Luftregatta zum Tummelplatz dienen. Er präsentierte sich in wahrem Galablau. Die Stadt glich einem Ameisenhaufen. Die halbe Bevölkerung hielt die Dächer besetzt. Seit dem frühen Morgen waren alle Gebäude von Menschengewimmel bekrönt. Dachluken waren vermietet worden, wie Logen zu einer Premiere. Ein paar von Menschen überladene Balkons waren bereits eingestürzt. Manche Häuser schienen zu leben, so dicht waren ihre Fassaden, ihre Terrassen von beweglicher Menschheit überzogen. Die zähe Flut der Menge wälzte ihre langsamen Wirbel durch die Flussbetten der Straßenzüge, durch die Teiche der Plätze und vor allem durch jene Stadtviertel, die von der Kampfroute geschnitten wurden. Diese schnurgerade Linie vom Invalidendom zur Kathedrale von Meaux traversierte die Kreuzung der Rue Louis-le-Grand, der Rue de la Chaussee d’Antin, des Boulevard des Italiens und des Boulevard des Capucines; mehr als irgendwo verschwanden hier die Gebäude unter einem lebendigen Visier. Wie durch Zauberschlag schien die Stadt in eine Estrade für die ganze Welt verwandelt. Unendlicher Lärm erfüllte sie gleich einem riesenhaften Kolosseum. Geruch von Menagerie und frisch gesprengten Straßen stieg vom Boden auf und erfüllte die heiße Luft des schönen Spätsommertages.
Niemand sprach von der »Gefahr«; man sprach vom Rennen.“

Gleich nach der Ankunft in Le Bourget eilt der Colonel in den Hangar zu seiner Martynside. Auch die britischen Langstreckenflugpioniere Keith und Ross McPherson werden teilnehmen. Ich besuche die Ausstellung mit den neuesten Fluggeräten und schaue mich dort in Ruhe um.

Die Halle ist, wie ich erwartete, relativ leer: Alle wollen bei dem Start der sechs gemeldeten Wettbewerber unter dem galablauen Himmel dabei sein…

Das Brummen der angeworfenen Fluggeräte wird schon nach wenigen Augenblicken vom Jubel der Menge übertönt. Die Maschinen sind in der Luft…

Doch nach nur kurzer Zeit erschallt eine Durchsage in der Halle: Das Rennen wurde abgebrochen, eine Kollision über Paris hat stattgefunden. Ich eile auf das Flugfeld und beobachte die jetzt zurück kehrenden Flugzeuge. Mycrofts Martinsyde ist nicht dabei…

Ein Taxi, mit extra Francs zur Höchstgeschwindigkeit gebracht, bringt mich in die Innenstadt, dorthin, wo die Massen die Straßen verstopfen. Die letzten Meter renne ich zu Fuß und sehe Mycrofts Maschine zerschellt auf der Straße liegen: Ein Flügel ist komplett abgerissen, das Fahrwerk völlig zerstört, liegt es mit dem noch vorhandenen Flügel in den Himmel weisend, auf der Seite….

Ich sehe Mycroft nicht, er ist nicht im Cockpit, ich sehe auch keine Ambulance. Wo ist er…???

Eine Häuserfassade ist völlig zerstört. Entstellte Körper liegen auf dem Asphalt, blutende Verletzte taumeln umher, da entdecke ich Mycroft gebeugt über einen Verletzten, erste Hilfe leistend…

Er hat eine schwere Erschütterung während des Fluges über Paris gespürt, so als ob er mit etwas nicht Vorhandenem zusammen gestoßen sei, was ihm den Flügel abriss und ihn zu einer waghalsigen Bruchlandung in den vollen Pariser Straßen zwang. Das fliegerische Können des Colonels verhinderte weitere Verluste, aber seine Martinsyde kann nur noch als Totalschaden bezeichnet werden. Sie wird gesichert, als Beweismittel und soll zur weiteren Investigation in einen Hangar in Le Bourget abtransportiert werden. Dies ist zurzeit jedoch nicht möglich…

Immer mehr Krankenwagen treffen ein und auch ich leiste erste Hilfe, wo ich kann und leite die Einsatzkräfte zu den Schwerstverletzten, denen ich nur beruhigende Worte und Blutungsstillung angedeihen lassen kann…

Kurze Zeit darauf rückt die Garde Nationale an, sorgt für Rettungsgassen und löst ruhig, aber bestimmt die Arbeiten behindernden Menschenmengen auf.

Ein unsichtbares Objekt kann als der Verursacher der eingestürzten Fassade ausgemacht werden. Es fiel auf ein mit Zuschauern gefülltes Haus, das es dabei unter sich begrub…

Nicht sichtbar, aber spürbar klopfen Leute an den unsichtbaren Gegenstand. Es braucht 80 Mann und 40 Seile, um das Objekt abzutransportieren. Es hat ein Ausmaß von 30x10x5m. Ein Raunen geht durch die Menge, als die Seile sich anspannen und nichts davon tragen…

This is bizzare, indeed!!

Die Menge reagiert verstört, verleugnet, was sie sieht. Rufe, wie

[simple_tooltip content=’Täuschung‘]“Bluff“[/simple_tooltip] und [simple_tooltip content=’Lügen‘]“Mesonges“[/simple_tooltip] werden laut…

Mit blutigen Händen und kruden Schlussfolgerungen treffe ich am späten Nachmittag wieder im Grand Hotel ein. Meinen dünnen, halbdurchsichtigen Tea betrachtend, trifft Le Tellier atemlos ein und berichtet uns sofort, dass am Colombier auch unsichtbare Kästen niedergegangen sind, gefüllt mit Gegenständen und Menschen. Le Phénoméne im Himmel, die Pixel, sind verschwunden…

Ein Hotelangestellter ruft mich ans Telefon: Carla!!!!

Sie ist wohlauf, auch meine Tochter wurde erschöpft auf das Chateau Mirastel gebracht. Sie ist außer Lebensgefahr. Innerlich sinke ich auf die Knie: Mein Leben darf weitergehen….

ICH MUSS SOFORT ZURÜCK!!!

           …Durchatmen…   ….Nachdenken…

!Le Bourget…

…Mit irgendeiner Maschine nach Lyon…