Telegramm 2 an Miss von Humboldt
Sehr geehrte Miss von Humbold, ich habe diese Anekdoten beim Erarbeiten ihres Rechercheanliegens an mich entdeckt. Ich hoffe diese Beispiele sind für sie erhellend.
Drei zukunftsträchtige Beispiele für weitere Forschungen
1883 isolierte Bartolomeo Gosio aus einem Schimmelpilz der Gattung Penicillium Mycophenolsäure, die er sogar kristallin darstellen konnte. Gosio beobachtete, dass er damit das Wachstum des Milzbranderregers behindern konnte. Er veröffentlichte diese Arbeiten 1893 und noch einmal 1896; sie wurden jedoch international jahrelang nicht wahrgenommen,vielleicht weil er auf Italienisch veröffendlichte.
Ebenfalls Ende des 19 Jhds, angeregt durch die Beobachtung, dass die im Militärhospital beschäftigten arabischen Stallknechte Sättel für die Pferde in einem dunklen, feuchten Raum aufbewahrten, um die Bildung von Schimmelpilzen zu fördern. Ernest Duchesne befragte jene, warum sie dies so täten und sie antworteten, dadurch würden die Wunden, die durch das Scheuern der Sättel entstünden, schneller abheilen.
Daraufhin bereitete Duchesne eine Lösung aus diesen Schimmelpilzen zu und injizierte sie mehreren erkrankten Meerschweinchen. Wie sich herausstellte, genasen alle Versuchstiere nach verabfolgter Injektion.
Anschließend studierte Duchesne nun die Wechselwirkung zwischen Escherichia coli und Penicillium glaucum in einer Reihe penibel durchgeführter Experimente. Dabei stellte er fest, dass in einer Kultur, die lediglich diese beiden Spezies enthielt, der Pilz in der Lage war, das Bakterium zu eliminieren.
Des Weiteren zeigte sich, dass ein Versuchstier, das mit einem Typhusbazillus in einer normalerweise tödlichen Dosis beimpft wurde, keinerlei Anzeichen einer Erkrankung zeigte, mithin also völlig gesundet war – sofern es zuvor ebenfalls mit Penicillium glaucum beimpft worden war.
So verfasste der französische Militärarzt Ernest Duchesne im Jahre 1897 zur Erlangung der Doktorwürde sein Werk „Contribution à l’étude de la concurrence vitale chez les micro-organismes: antagonisme entre les moisissures et les microbes”. Darin belegt er, dass bestimmte Schimmelpilze (Penicillium glaukum) über antibiotische – also Bakterien abtötende – Eigenschaften verfügen.
„Untersuchungen zum Überlebenskampf der Mikroorganismen: Der Antagonismus von Schimmelpilzen und Mikroben“ war die erste wissenschaftliche Arbeit, die sich mit den Möglichkeiten eines therapeutischen Einsatzes von Schimmelpilzen aufgrund deren antimikrobieller Eigenschaften auseinandersetzte.
Das von Paul Ehrlich entdeckte Arsphenamin(1910) wird als erstes Antibiotikum der Geschichte angesehen. Sein Wirkungsspektrum ist zwar auf Spirochäten begrenzt, also „nur“ ein Schmalspektrum-Antibiotikum; es ermöglicht aber erstmals eine wirksame und relativ ungefährliche Therapie, der inzwischen weltweit verbreiteten Syphilis.
Mit herzlichen Grüßen ihr Dr Fothergill R.









