Silva
Um fünf vor halb fünf in der Früh erreichen wir Frankfurt am Main. Gegenüber des Hauptbahnhofes mieten wir uns im Grand Hotel ein. Extra für uns wird die Küche aufgemacht. Ich nehme die Frankfurter mit Kraut und Stampfkartoffeln.
An der Rezeption erkundige ich mich nach Möglichkeiten um nach Kirchzell zu kommen. Ein Zug fährt alle Stunde bis nach Miltenberg, das liegt in der Nähe.
Da die Nacht nur kurz war, beschliessen wir uns bis Mittags zu erholen und erst dann den Zug zu nehmen.
Erholt, erfrischt, erwerbe ich am Bahnhof eine Karte des Odenwaldes.
Während der Zugfahrt bewundere ich den wunderschönen Ausblick auf den Odenwald. Sehr geheimnisvoll wirkt er auf mich. Wird hier meine Suche zu Ende sein?
Um halb drei erreicht der Zug Miltenberg, gelegen im Zentrum des Waldes. Die Stadt weisst deutliche Kriegsschäden auf, die Einwohner nutzen vorwiegend Fahrräder. Im Telegraphenamt am Bahnhof frage ich wo wir hingehen müssten, um ein Fahrzeug oder Reittiere zu mieten. Der Angestellte verweist uns an den ‚Wilden Martin‘, sein gleichnamiges Gasthaus liege gleich gegenüber.
Der ‚Wilde Martin‘ ist gar nicht so wild. Er hat zwei Pferde, Fahrräder und einen Traktor mit Anhänger im Angebot. Seiner Frau, die ‚Dicke Berta‘, kommt noch der Gedanke, wir könnten den Landauer ihres Bruders mieten. Das ist dann auch unsere Wahl. Da Cpt Wigbold die besten Deutschkenntnisse von uns hat verhandelt er mit ihrem Bruder. Ordnungsgemäß wird ein Vertrag unterzeichnet.
Mit dem Landauer holen wir die Anderen ab, die sich inzwischen den Ort angesehen haben.
Mrs de Fleur ibn Abdulla-Charie setzt Zügel, gegen vier Uhr erreichen wir Amorbach und kurz darauf einen See mit Wasserfall. Hier rasten wir. Ein kleiner Hund sitzt am Wegesrand und Cpt Wigbold lockt ihn mit einem Wurststück aus unserem Picknickkorb. Er will es nicht und trollt sich. Zusammen mit dem Kapitän gehe ich in dem See baden. Was für eine Erfrischung. Lord Carnarvon wird ungeduldig, droht mit einer Geste und wir verlassen das Wasser.
Wir folgen dem Weg nach Kirchzell und biegen an besagter Weggabelung links ab.
Kurz darauf sitzt ein weiterer Hund am Wegesrand. Cpt Wigbold holt die Kartoffel Wurst vor um ihn zu locken. Aber er rennt weg. Mrs di Fiona folgt dem Hund in das Unterholz. Dann ist ihr Schrei, ein Platschen und ihr Schimpfen zu hören.
Cpt Wigbold hört Stimmen aus dem Wald und ich folge ihm auf eine Anhöhe. Von dort aus sehe ich in der Senke dahinter eine Wagenburg. Aus dem Gehölz kommt ein Pärchen auf uns zu. Sie rufen ‚Vasilo‘, ihren Hund. Sie sind sehr freundlich, scheinen Wildjäger zu sein und sie warnen uns vor den deutschen Soldaten.
Zurück schmieden wir einen Plan: Die anderen gehen zur Wagenburg, befragen die Bewohner während Cpt Wigbold und ich unbewaffnet mit dem Fuhrwerk dem Weg folgen und uns besagten Soldaten stellen.
Hinter der Biegung erwartet uns eine Strassensperre. Ein Lastkraftwagen und acht Soldaten. Cpt Wigbold und ich fahren vor. Wir geben uns als Touristen aus und müssen unsere Ausweise vorzeigen. Der für uns zuständige Soldat stellt sich als Polizist heraus. Die Polizei sucht nach verschwundenen Leuten. Wen genau, erzählt er uns nicht, zeichnet aber auf unserer Karte das Sperrgebiet ein.
Wir kehren zu der verabredeten Stelle zurück. Mrs di Fiona ist bleich, ein leichter Wahn scheint sie beschlichen. Die Bewohner der Wagenburg warnen uns vor dem Wald.
Da es schon spät ist fahren wir nach Kirchzell zurück. Das Gästehaus, wo wir nächtigen, haben wir von einem Bauern namens Karl gemietet. Er baut Schludden an und brennt daraus einen Schnaps.













