Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

立脚点 (Rikkyakuten) – Blickwinkel

Ich bin heute vormittag mit meinen Freunden in Exeter verabredet. Lorudo-dono will der Kathedrale einen Besuch abstatten. Hier wurde vor Kurzem ein Wandbild entdeckt und der Archeologe, auf dessen Konto dieser Fund geht, hat Lorudo-dono um einen wissenschaftlichen Austausch gebeten. Maikurofuto meint, man könne bei dieser Gelegenheit gleich einmal in Joe’s Haus nach dem Rechten sehen. Joe’s Haus ist eine Art Portal, durch das man zweimal im Monat – immer zu den Halbmonden – physisch in das Traumland reisen kann, lasse ich mir erklären. Das interessiert mich.

Für heute Abend konnte Lorudo-dono die letzten beiden Plätze im Greenwich Observatorium sichern können, wo heute ein neues Teleskop vorgestellt wird. Maikurofuto ist selbst verhindert, daher fragte Lorudo-dono mich, ob ich ihn begleiten möchte, ein Angebot, das mich sehr ehrt und das ich gerne annehme. Morgen soll es nach Trondhjem gehen. Senchō braucht dort unsere Hilfe. Diese Dinge hatten wir gestern bereits besprochen, so dass ich mein Reisegepäck im Kofferraum schon dabei habe. Ich erwarte nicht, dass ich heute noch einmal nach Hause komme.

Gegen elf treffe ich meine Freunde in Exeter. Wir statten zunächst dem besagten Portalhaus einen Besuch ab. Joe’s Haus, wie meine Freunde es nennen, ist ein relativ schlichtes zweistöckiges Stadthaus mit Dachboden und Kellergeschoss. Fenster und Türen sind verschlossen. Maikurofuto holt die Schlüssel zum Haupteingang hervor und läßt uns ein. Die Luft, die mir aus dem Innern des Gebäudes entgegen schlägt, ist etwas abgestanden. Das Haus ist nicht möbliert und bis auf eine dünne Staubschicht, die sich auf den hölzernen Dielen niedergelegt hat, leer. Auf dem Weg ins erste Obergeschoß entdecke ich auf einem hohen Fenster im Treppenhaus ein Bild. Es zeigt eine schwarze Katze vor einem Nachthimmel. Links und rechts von ihr sind Gebäude zu erkennen. Der Himmel zeigt zwei Monde – einen abnehmenden und einen zunehmenden Halbmond.

Ich bemerke Pfotenabdrücke im Staub auf dem Boden. Es sind die Spuren einer oder mehrerer Katzen. Es scheint hier irgendwo eine undichte Stelle zu geben, denn Türen und Fenster waren fest verschlossen, als wir ankamen. 

Anschließend besuchen wir die Exeter Cathedral. Lorudo-dono scheint nicht das erste Mal hier zu sein. Eine nette ältere Dame, die im Pfarrgarten die Blumenbeete pflegt, begrüßt ihn erfreut und freundschaftlich. Der Vikar, sagt sie, sei in den Kellergewölben zu finden. Aus dem Keller – die Treppen nach unten führen in eine Krypta – höre ich Stimmen. Jemand sagt auf deutsch „Vorsicht!“

Lorudo-dono ruft nach dem Vikar. Der kommt kurz darauf in Begleitung eines Archäologen die Treppen hinauf. Der Wissenschaftler heißt Bernhard Schleicher, stammt aus Deutschland und verleiht in gebrochenem Englisch seine Freude über Lorudo-donos Besuch Ausdruck.  

Wandgemälde in der Exeter Cathedral

Mit Begeisterung berichtet er, dass es ihm gelungen sei, ein Wandbild hier in der Kathedrale freizulegen. Mit Stolz zeigt er uns das Gemälde eines Mönches. Vor dem Mönch schwebt ein goldener Kelch, auf seinem Finger steckt ein Siegelring und das Bild ist von saugnapfbewehrten Tentakeln gerahmt. Schleicher erzählt, dass er die Geschichte des Mönches erforscht und Hinweise auf dieses Bild gefunden hatte. Gerne möchte er sich mit Lorudo-dono verabreden. Auch die Ausgrabungen in Ägypten, die von Lorudo-dono finanziert werden, interessieren ihn sehr.

Den Nachmittag verbringen wir auf Highclere Castle. Ich besuche Mari-chan. Es geht ihr nicht besonders gut. Sie ist zwar ansprechbar und auch die Lepra ist Dank der Medikamente, für deren regelmäßige Einnahme im Sanatorium gesorgt wird, unter Kontrolle, aber ihr Geisteszustand ist besorgniserregend. Sie erzählt etwas von einem Wirbelwesen, das sie warnt – das, was ihre Freunde vor hätten, sei gefährlich.

Am frühen Abend bricht Lorudo-dono mit mir zusammen nach Croyden auf. Dort nehmen wir eine Droschke, die uns zum Royal Greenwich Observatory bring.

Das Venus-Pentagramm

Es herrscht reger Andrang. Vor allem wohlhabende und gebildet aussehende Leute zieht es heute hierher. Hofastronom Danlay Coyle hält einen Vortrag über den Sternenhimmel und bevorstehende Astronomische Phänomene. Er spricht über die Konstellation des Venus-Pentagrams, in welcher Venus im Sternbild des Stier, in einer Linie mit Aldebaran und quasi in seinem Schatten, steht. Das Phänomen wird am zehnten Oktober dieses Jahres zwischen 14:00 und 18:00 auf der Südhalbkugel auftreten. 

Nach dem Vortrag des Hofastronomen dürfen die Besucher noch einen Blick in das Weltall durch das neue Teleskop. Lorudo-dono wagt einen Blick auf die Oberfläche des Mondes. Mich zieht es weiter fort. Ich lasse das Teleskop auf Aldebaran ausrichten.