Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

練習と遊猟と (Renshū to yūryō to) – Übungen und Jagdvergnügen

Pünktlich um zehn am Morgen treffen wir uns wieder wie verabredet im Flughangar von Highclere Castle, um die Vorbereitung des Rituals für die Verbannung Cthulhus zu üben.  Es gibt kaum Fortschritte. 

Nach den Ritualübungen vertiefe ich mich in meine Schwertkunst. Das Training hebt meine Laune und bringt mein angekratztes Selbstbewusstsein wieder auf Vordermann. Zum Ende meines Trainings nehme ich ein zweites Holzschwert zur Hand. Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich die Technik der Niten-ichiryū, der Zwei-Schwerter-Schule von Miyamoto Musashi, das letzte Mal geübt habe, doch es geht mir noch recht gut von der Hand. Zwar bin ich etwas eingerostet in dieser Technik, doch mit etwas Übung dürfte ich schnell wieder in eine gute Form kommen.

Ich verbringe auch den Nachmittag damit, die Technik der Zwei-Schwerter-Schule zu üben, bemerke dabei gar nicht, wie die Zeit vergeht. Erst, als die nahende Dämmerung als Vorbote der herannahenden Nacht über den Horizont zu klettern beginnt, schaue ich wieder auf die Uhr. Es ist bereits halb sechs und ich verspüre auch einen leichten Anflug von Hunger. 

Ich gehe ins Haus und mache mich frisch, bevor ich mir aus der Küche einen kleinen Imbiss besorge. Als ich wieder nach draußen gehe, stoße ich auf Maikurofuto, der gerade ein Jagdgewehr aus dem Waffenschrank holt. „Du gehst zur Jagd?“, frage ich. „Ja“, bestätigt er das Offensichtliche, „willst du mich begleiten?“ Ich überlege einen kurzen Moment, willige dann aber gerne in den Vorschlag ein. 

Wir satteln die Pferde und reiten in Lorudo-donos zweites Jagdgebiet, jenes, dass nicht in zwölf Tagen dem königlichen Vergnügen vorbehalten sein soll. Mein Pferd scheut, als aus dem Gebüsch etwas zügig auf uns zukommt. Ich habe zu tun, das Tier zu beruhigen, während Maikurofuto sich behände von seinem Ross schwingt und der herannahenden Wildsau eine Ladung Schrot verpasst, die das Tier sofort zu Fall bringt. 

Wir lassen uns Zeit und brauchen gut zwei Stunden, bis wir das Tier entweidet, gehäutet und soweit zerlegt haben, dass wir es auf den Pferderücken transportieren können. Gegen zehn Uhr am Abend liefern wir das Wildbrett in der Küche ab, wo es dankend entgegen genommen wird. 

Nach einer Dusche und einem Kleiderwechsel begebe ich mich in die Bibliothek, um noch einen Drink zu nehmen. Senchō, Mare und Karura-san unterhalten sich angeregt. Maikurofuto betritt die Bibliothek kurz nach mir. Ich habe gerade zwei Gläser Gin eingeschenkt, von denen ich ihm eines reiche, um gemeinsam auf die erfolgreiche Jagd anzustoßen.

Wir sprechen über den immer näher rückenden Tag der Entscheidung. Die Schutzroben und Älteren Zeichen für unsere Mission sind fast fertig. Senchō ist zuversichtlich, dass er und Karura-san die Arbeit morgen fertigstellen können. „Wir brauchen auch noch die gelbe Kreide“, mein Maikurofuto, „wenn wir wirklich nach Aldebaran fliegen wollen, sollten wir das bald tun. Spätestens morgen Nacht“, fährt er an Mare gewandt fort. Mare? Sollte nicht Mari-chan…? Ich wundere mich nur kurz, denn jemand wie Mare, die in der Wüste aufgewachsen ist, weiß noch am ehesten, wie man in der Oreg-na überleben kann.

Mare wird nervös und befragt Maikurofuto zu Details zu der bevorstehenden Reise. Maikurofuto beantwortet ihre Fragen so gut er kann. Mit der Flöte könne er ein Flugwesen rufen, dass sie in das Sternensystem Aldebaran bringen kann, der Weltraummet könne sie vor den lebensfeindlichen Auswirkungen dieser Reise durch das All schützen. Nach Hause zurück konnte sie das Gelbe Buch bringen. Was sie auf dem dunklen Planeten des Gelben Königs selbst erwarten würde, vermag er nicht zu sagen. „Als ich das letzte Mal dort war, war es ziemlich heiß…“, erinnert er sich schaudernd. Er trinkt ziemlich viel Gin heute Abend. Auch, wenn er äußerlich ruhig zu wirken versucht, gelingt es ihm nicht, seine Nervosität gänzlich zu verbergen. Mare greift zum Telefon und ruft Mari-chan an, um sie zu bitten, morgen Laudanum und andere Beruhigungsmittel mitzubringen.