歴史研究 (Rekishi kenkyō) – Geschichtsforschung
Da wir nun schon einmal in der Innenstadt sind, beschließen wir auch gleich das Archiv im Rathaus aufzusuchen. Wir bringen zunächst die Pferde vom Markt. Jenseits der engen Gassen der Innenstadt stellen wir die Tiere ab. Mare erklärt sich freiwillig bereit, die Tiere zu beaufsichtigen.
Das Rathaus erweist sich als einfacher, schmuckloser Bau. Wir treten ein und finden uns in einer Empfangshalle wieder, von der aus Treppenstufen nach oben und unten und ein paar Türen hinaus führen. Hinter einer der Türen ist das Klappern einer Schreibmaschine zu hören. Wir klopfen an. Aus der Amtsstube erfolgt eine Antwort, die wir als Aufforderung zum Eintreten verstehen. Mit diversen Sprachkenntnissen, die in unserer Forschungsgruppe vorhanden sind, gelingt es uns auch, dem Verwaltungsangestellten unser Anliegen zu vermitteln. Nachdem er verstanden hat, läuft er auf den Flur und ruft „Ljubo, Ljubo!”
Aus dem Keller kommt ein schmaler, blasser Mann nach oben. Er spricht fließend Englisch und stellt sich als Ljubo Kraftowic vor. Er ist hoch erfreut über die illustre, internationale Gruppe, die sich für die Geschichte Visokos so sehr interessiert. Begeistert erzählt er von Tvrkov, dem ersten Bosnischen König, dem es während seiner Regentschaft zwischen den Jahren 1377 und 1391 gelungen war, Bosniens Unabhängigkeit von Ungarn zu manifestieren und das Land zu einem Ort des Friedens und der Toleranz zu machen, wo die Menschen unabhängig von ihren ethnischen und kulturellen Differenzen ein Leben in Harmonie miteinander führten. Voll des Lobes für die Leistungen des ersten Bosnischen Königs zeigt uns Ljubo-san Dokumente, auf denen Wappen und Schild des glorreichen Herrschers zu sehen sind. Besonders beeindruckend ist die Schildheraldik. Obwohl ich einem völlig anderen Kulturkreis entstamme, erschließt sich mir die Symbolik sofort. Der gekrönte Drache zwischen Sonne und Mond – das Glücksbringende Wesen, das die Gegensätze verbindet. Es sind uralte Metaphern mit einer universell gültigen Bedeutung.
Ljubo-san beantwortet geduldig all unsere Fragen. Zu den Pyramiden weiß er zu sagen, dass diese auch auf altem Kartenmaterial bereits verzeichnet ist. Die signifikanteste der drei gilt als der Hausberg von Visoko, was selbst so viel bedeutet wie „hoher Berg”. Nach etwa einer Stunde verabschiedet sich Ljubo-san. Er müsse noch eine Sitzung, an der er in einer halben Stunde teilnehmen würde, vorbereiten, sagt er. Wir bedanken uns für die interessanten Ausführungen und verabschieden uns.
Berni-san berichtet uns von seinem Ausflug zu der nächstliegenden der drei Pyramiden. Er konnte den Berg nur zum Teil umreiten, da dieser an einem Abhang steht. Einen offensichtlichen Eingang konnte er nicht entdecken. Wir beschließen, morgen auch den anderen beiden Bergen einen Besuch abzustatten.
Auf dem Weg zum Gasthaus machen wir an den Ruinen der alten Königskirche halt, die offenbar gerade Objekt einer archäologischen Forschung ist. Mycroft entdeckt in den freigelegten Mauern eingeritzte Zeichen, die wir aber nicht weiter deuten können.









