Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Omen

Zum Frühstück auf Highclere Castle erwarten mich zwei

Schriftstücke. Das erste ist aus Berlin und lautet:

Hej Ragnar

+++ Deine steitbare Frau erwartet dich in Berlin +++

Endlich bin ich aus dem Verein ausgetreten +++

Traute

Mein Herz droht mir flatternd, zitternd stehen zu bleiben. Mein

allererster Gedanke fliegt zu Jane Leigh, geben höhere Mächte

sie möge nie von diesem Telegramm erfahren. Das Atmen nicht

völlig aufgeben!

Mein Puls schlägt mich ins Leben zurück und frage ich mich ,

wie beim Klabauter konnte mich dieses Telegramm erreichen –

ist es nur ein weiterer perfider Trick meiner „habhaft“ zu

werden, oder stimmt etwa was da geschrieben steht –

aber was mag es denn dann nur bedeuten?

Verwirrt wende ich mich dem nächsten Schreiben zu:

Mein lieber Ragnar,

Dein Großvater Magnus, liegt im Sterben. Er wünscht sich dich

vor seinem Ableben noch einmal zu sehen. Ein persönliches

Testament wartet auf dich. Bitte antworte bald, ob du zeitig

nach Ugla kommen kannst.    Isa,Trondhjem 18.08.1920

Erinnerungen erfüllen mich – lange war ich nicht mehr dort.

Ich muss ihnen umgehend Antworten, der Brief ist schon

sieben Tage alt. Mein morgendlicher Appetit ist fort und ich

schreibe :

Hej Mutter, erfahre erst heute (25.08.) von deinem Brief.

Komme morgen per Flugzeug nach Trondhjem, Grüße an Alle

  Ragnar

Nun da ich etwas Abstand zum ersten Telegramm habe, fasse

ich Mut nun auch Traute zu antworten:

Liebe Traute,

wir haben Gesprächsbedarf, komme wahrscheinlich nicht vor

September nach Berlin, dringende Familienangelegenheiten in

der Heimat hindern mich.

Ragnar

Nun – meine Gedanken schweifen ständig zwischen Brief und

Telegramm ab – händige ich Sanjuro die hier verbliebenen

Bewerberschreiben aus und bemühe mich dann Mycroft zu

überzeugen mich die 900 Meilen nach Norwegen zu fliegen –

und nach erfrischend wenigen, klärenden Sätzen erklärt er sich

bereit mich mit Zwischenstopp in Stavanger zu bringen.

Ich benachrichtige den Lord und plane mit Sanjuro unsere

anstehende Abreise nach Curdrige Hill. 

Dort angekommen habe ich gerade Zeit genug neu zu Packen,

dann werde ich im Keller von Sanjuros „Festung“ Zeuge der

fantastischen Entwicklungsgeschichte dieses Anwesens.

Das Fundament, eine solide japanische Baukunst des

dreizehnten nachchristlichen Jahrhunderts. Darüber ein

Gebäudetyp wie man ihn auch in Neuseeland kennt.

Das allerbeste jedoch ein drei auf drei Meter großer Hohl-

raum im Untergeschoß.

Gegen zwei Uhr nachmittags kommt Mycroft mich abholen,

ich greife mein schmales Gepäck – auf nach Trondhjem.

Der Flug ist ereignislos, das Wetter ruhig. Nach Stunden

wassern wir im Hafen von Trondhjem. Ich regele die

 Hafenformalitäten, lasse den Flieger im Trockendock

festlegen und sehe mich nach einer Droschke um.

Später auf der Hauptstrasse fällt mir eine Dependance der

dt. Thule-Gesellschaft auf. Björn erzählt einige Neuigkeiten

und reicht mir die Sør-Trøndelag. Ich bitte Björn Morgen früh

Mycroft zum Flugzeug zu bringen und mir auch sonst die

nächsten Tage zu Fahren.  Auf dem Weg springt mir

ein Artikel der Rubrik International des Sør-Trøndelag ins

Auge „Rätsel geklärt, Dunedin“, den ich flugs ins britische zu

übersetzen versuche und in meinem Notizbuch festhalte,

während Mycroft mir gebannt auf die Finger schaut.

Am Haus meiner Großeltern, erwartet mich schon meine

Mutter auf der Veranda. Ich stelle Mycroft vor und betrete

das Haus – das Gefühl der Kindheit umhüllt mich, ich steige

die Treppe hinauf und altere mit jedem Schritt, meinem

biologischen Alter entgegen.

Ylvie sitzt an Magnus Bett, nach einer innigen Begrüßung

Großmutters, verlässt sie das Zimmer. Großvater ist schwach und

ich sehe das kommende Ende. Er spricht zunächst krächzend,

dann kräftiger über seinen Nachlass an mich. Erschöpft

überläßt er sich dann wieder einem dämmrigen Dösen.

Unten sitzen sie nun zu dritt und Isa beginnt ein Abendessen

aufzutragen. Mycroft wird heute hier nächtigen und erst

morgen früh nach England zurückfliegen.Wir unterhalten uns

noch länger, bis Ylvie und Isa sich zurückziehen und ich für

Mycroft kurz die Gegebenheiten des Nachlasses umreisse,

dann legen auch wir uns zur Nachtruhe nieder. Frühe, über-

wiegend grünliche, Aurora Borealis Erscheinungen beleuchten

den Nachthimmel vor meinem Fenster, die Götter steiten.