* Norway Express Flight
Nach der gestrigen Wiedersehensfeier in der Bibliothek sehen wir uns heute alle verkatert, aber fröhlich grinsend wieder. Die Geschichte um den Gral hat mich zutiefst erfreut, erstaunt & belustigt, da der Herzenswunsch von Henry erfüllt wurde und eben alle Männer der Expedition sich den weiblichen Schönheiten der Vril Gesellschaft hingegeben haben. Zu gerne wäre ich dabei gewesen. Selbst der Kapitän hat ein verschmitzten Ausdruck, den ich bisher nur in Anwesenheit von Jane Leigh bemerkt habe. Wir reichen uns die aktuelle TheHamphsire herum & sind teilweise interessiert, aber auch geschockt.
Nachdem eine längere Diskussion um eine Auktion entstanden ist, rufe ich, um Klarheit zu schaffen, beim Auktionshaus B. Right an. Die Dame am Telefon ist nett, aber zugeknöpft, um Kaufanreize zu schaffen. Ich erfahre lediglich, dass es sich um Waffen, Möbel, Bücher, eine Truge & das Landhaus handelt. Sie findet am morgigen Tag statt & man kann sich im Vorfeld ein Bild von den Gegenständen machen. Nachdem ich meinen Freunden davon unterrichte, stimme sie alle zu, dort ein wenig zu shoppen. Wer weiß, vielleicht findet man ein …. mein Jagdfieber erwacht!
Mir scheint als Einziger aufzufallen: Carla di Fiona macht sich rar!
Ein Besuch bei der Operndiva mit einigen Rosen kann sie nicht aufmuntern. Anscheinend hat Sie das erotische Abenteuer dem Lord (noch) nicht verziehen, verständlicherweise. Ihre damenhaft imposante Erscheinung sowie die Zuneigung Herbys verpuffte innerhalb von Minuten in der Gegenwart der legendären medial begabten Marija Orzics. Für eine Frau ihres Kalibers & Profession ein seelisch vernichtendes Erlebnis! Sie jammert, ihr schmerzen die Füße & Kopf, sie lässt vom Personal massieren & bedienen. Sie blickt ins Leere & schweigt. Beim Gehen bittet Sie mich doch um etwas Laudanum, die Ärzte hätten es Ihr verweigert.
Anschließend lesen wir einjeder seine angesammelte Post. Ragnar kommt sichtlich erregt zu mir, er bittet mich, ihn nach Trondhjem, Norwegen bringe. „Aber gern, mit Freude, mein Freund!“ sage ich ihm zu. Seine Augen leuchten. Mit den Worten „Isch pack gleich mein Sack!“ verschwindet er zusammen mit Sanjuro. Mein japanischer Freund aus Militärzeiten scheint sich ganz wohl zu fühlen. Da reicht mir der Butler ein Telegramm aus Dunedin, Neuseeland. Interessiert lese ich:
Es ist ein herrliches Flugwetter. Wir unterhalten uns angeregt, sodaß die Reise wie im Flug vergeht. Wir fliegen über die Nordsee, treffen bei Haugesund erneut auf das skandinavische Festland, wo wir ein Tankzwischenstopp einlegen, um dann gleich weiterzufliegen.
Ragnar ist nun sehr schweigsam, beobachtet sein Heimatland aus unbekannter Höhe. Er spricht von seiner Familie & seinem Großvater, allerdings verstehe ich wenig bei dem Fluggeräuschen. Als wir schließlich in Norwegen landen, freut er sich wie ein Kind, das nach Hause kommt.
Wir wässern am Hafen von Trondhejm & lassen mein Schmuckstück in einer Flughalle parken & sichern. Ein Bekannter von dem Kapitän names Arthur, wartet bereits auf uns. Ragnar erledigt alle Zoll Formalitäten. Die norwegische Sprache ist hart, rollend & fremd. Beim Spaziergang auf der Hauptstrasse durch Trondhejm fällt Ragnar ein neuer Laden auf, die Thule Gesellschaft. Irgendwie scheinen die ihm verdächtig zu sein. Ich kann erstmal nichts Auffälliges entdecken. Alles in allem fühle ich mich hilflos in diesem rauen fremden Land & sehne mich zurück ins sonnige Britanien.
Bei einem stärkenden Mahl mit geräucherten Fisch & starken Kaffee erzählt mir Ragnar, dass er ein Saemen ist, ein Ureinwohner Norwegens. Die Nordlichter, die in der Zeitung beschrieben wurden, sind für die Saemen ein Indiz auf ein Streit zwischen Göttern. Mit wird wieder etwas mulmig, das Wesen im Becken scheint nach unserem Besuch viele Auswirkungen auszusenden…
Da entdeckt Ragnar die hiesige Tageszeitung. Er überfliegt alles & übersetzt mir die wichtigsten Passagen, was inzwischen bei uns allen von der Expedition zur Routine geworden ist. Am Teufelsriff gab es wohl einen Toten. Zudem wurde dort „Hände mit Schwimmflossen“ gesichtet. Mit läufts eiskalt den Rücken herunter…laut der Mythoskunde sind das Anzeichen von Tiefen Wesen, fischähnliche Wesen. Mehr weiß ich auch nicht. Oder sind das verwandelte Menschen? Eilig spüle ich diese Gedanken mit Gin hinunter. Ragnar ist auch sehr interessiert und will den Verleger treffen. Ich will den Toten mit den Schwimmhäuten sehen. Wenn die echt sind, wäre das eine Sensation. Meine Freunde vom kryptozoologischen Institut würden vor Neid erblassen!
Ragnar ist in seinem Element, stapft zum Verleger der Zeitung, während ich nochmals das Flugzeug checke. Schließlich will ich morgen bei der Auktion zugegen sein. Mir fällt ein Gestalt auf, die mich beobachten zu scheint. Leider ist die Person zu schnell verschwunden. Als Ragnar erscheint, fällt ihm nichts auf, sodass ich es erstmal verwerfe. Nach dem Besuch des Doms fahren wir zum Großvater. Auf dem Weg brieft mich mein norwegischer Freund: Um eine Mine mit merkwürdigen Vorkommnissen scheint es ihm zu gehen.
Als wir schließlich ankommen, empfängt uns die Großmutter. Erst jetzt dämmert es mir, dies sind die Nidelvins, die Familie meiner liebsten Therapeutin, die von mir auf unverständlicherweise ein Kind im Traumland empfangen hat. Schließlich werde ich allen als Verlobter von Kare vorgestellt, was mich leicht verlegen macht. Den Besuch beim Onkel will Ragnar erstmal allein machen, was ich gut verstehen kann. Die Großmutter verweilt bei mir. Da wir uns nicht verständigen können, wird es eine ruhige Stunde.
Als Ragnar zurückkehrt, ist er tief berührt. „Dauert nicht mehr lange, vielleicht heute nacht schon“ brummelt er. Ich umarme ihn kurz & kräftig. „Er hat mir was vermacht, mehr kann ich nicht sagen.“ Weiterhin zeigt er mir ein Tagebuch, wo wir beide die Erwähnung von etwas wie Cthulhu & Tiefen Wesen finden. „Das bedeutet nichts Gutes. Aber, in der Mine scheint es etwas Wichtiges zu geben. Wir müssen da rein, da ist was eingestürzt.“ Da ich morgen früh rechtzeitig aufbrechen will, beenden wir den Abend. Ragnar wird in der Zwischenzeit mehr ermitteln, während ich die anderen Angelegenheiten nachkomme & meine Freunde hierher mitbringe. Auf der Couch im Wohnzimmer mache ich es mir genütlich & schlafe schnell ein.
Traum: Ein Byakhee steht am Fenster, seine Mandrillen scheinen nach mir zu suchen. Seine Stimme schallt in meinem Kopf „Hälst Dich für clever? Gerissen? Hast Du etwa Angst? Ich hätte Angst an deiner Stelle! Und Du?“ Es lacht hell & schrill wie das Kreidekratzen auf einer Tafel..














