賓 (Mare Bito) – Die Besucher
Heute ist es soweit. Die ‚Zarvants‘, die Geistwesen, werden Mirastel erreichen. Gegen neun Uhr am Abend bereite ich zusammen mit Mare die Installation der Himmelslaternen vor. Als wir fertig sind, platzieren wir zwei Köder, Dinge, von denen wir glauben, dass die Fremden sie noch nicht haben: einen Obstkorb und ein Fahrrad. Kurz vor zehn sind wir fertig. Wir verteilen postieren uns im Innern des Schlosses so, dass wir alle Laternen im Blick haben und erwarten mit Spannung die Ankunft der “Gäste”. Draußen wiehert ein Pferd. Kurz darauf ertönt ein Pfiff aus einer Signalpfeife, das Zeichen von Mare, dass sich auf der von ihr beobachteten Seite etwas tut. Ich ziehe die Reißleine für unsere Lichter. Es klappt. Die Laternen lösen sich und steigen in die Höhe. Die Lichter auf der Seite, die ich im Auge habe, fliegen ohne auf Widerstand zu stoßen so hoch auf, dass sie irgendwann von den Sternen nicht mehr zu unterscheiden sind. Wenig später beobachte ich, wie das Fahrrad in die Luft gehoben wird und in etwa 2 Metern Höhe verschwindet. Obwohl ich damit gerechnet habe, dass so etwas passiert, fährt mir für einen kurzen Moment der Schrecken in die Glieder. Schnell gewinne ich meine Fassung zurück und stoße meinerseits ein vereinbartes Signal in meine Pfeife. Meine Freunde sind schnell zur Stelle. “Sie sind hier!”, erkläre ich. Mare stürmt nach draußen und wirft das Pulver des Ibn Ghasi, eine magische Substanz, die in ihrer Familie traditionell bei Vertreibungsritualen von Geistern eingesetzt wird und das Unsichtbares sichtbar macht, in die Luft. Die von uns ausgelegten Köder, der Obstkorb und das Fahrrad, werden sofort wieder sichtbar. Es sieht aus, als schwebten die Dinge in der Luft. Ansonsten ist keine Veränderung zu erkennen. Mit Entsetzen beobachten wir, wie nun auch Mare schreiend von einer unsichtbaren Kraft erfasst und nach oben gezogen wird. Sie verschwindet in etwa zwei Metern Höhe und bleibt dort verschwunden. „Mare“, rufe ich ihr hinterher, doch sie hört mich wahrscheinlich nicht einmal mehr. Ich bin für einen Moment geneigt, ihr nachzulaufen, doch ziemlich schnell wird mir klar, dass das nichts bringen wird. Das ist das Schlimmste an dieser Situation überhaupt, diese Hilflosigkeit, dieses Ausgeliefertsein, dieses ohnmächtige Gefühl, rein gar nichts unternehmen zu können…









