切霜の舞 (Kirishimo no mai) – Kirishimos Tanz
Wir folgen nun dem Weg, den wir gekommen sind – von der Plattform in den Kriechgang mit der seltsamen Oberflächenstruktur, weiter in den kapellenartigen Raum und die Wendeltreppe hinauf – um nun den Abzweig zu erkunden, den Mare entdeckt hat. Henri-san und Mycroft gehen noch einmal zurück, um die Formen in der Wand des dunklen runden Raums abzuzeichnen.
Schon nach kurzer Zeit kommen sie eilig zurück. Hinter ihnen zwängt sich eine schwarze wabernde Masse durch den Eingang in den Raum, in dem wir uns gerade befinden. Wir nehmen die Beine in die Hand und fliehen in den Seitengang und weiter durch eine der beiden in diesem befindlichen Türen. Nach etwa 8 Metern kommen wir wieder an eine Tür und diese führt uns wieder auf den Gang, aus dem wir gekommen waren. Sind wir im Kreis gelaufen? Aber die acht Meter hinter der Tür führten doch nur geradeaus…
Keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Das schlabbernde Schmatzen kommt näher. Schon schlängeln sich die Enden schwarzer, schleimiger Fangarme in den Seitengang. Wir gehen noch einmal durch die Tür, diesmal etwas bedachter, und entdecken an einer Seite der Wand eine mit Ornamenten geschmückte Mulde, die wie für die grüne Kugel, die Mycroft vom Himmel gepflückt hat, gemacht scheint. Mycroft holt das Kleinod aus seiner Tasche, doch kommt er nicht dazu, auszuprobieren was geschieht, wenn man die Kugel tatsächlich in die Mulde legt. Ein schwarzer Fangarm rast auf ihn zu und hindert ihn an der Ausführung seines Vorhabens. Ein weiterer Tentakel zischt um Haaresbreite an meinem Hals vorbei. Vor uns steht ein aus fünf Oktopoden bestehendes Etwas, das darauf aus zu sein scheint, uns das Leben aus den Leibern zu quetschen.
Wie selbstverständlich ziehe ich Kirishimo aus seiner Scheide. Das Schwert hatte ich mir ein paar Monate nach Kikyos Tod von Ishido Hidekazu, einem Schwertschmiedemeister der neunten Generation aus Tōkyō, anfertigen lassen. Meine Gründe hierfür waren mehr sentimentaler als kampforientierter Art – wenngleich es mir durchaus wichtig war, dass mein Schwert ein gutes sein würde. Die Zeiten, da Japans Krieger mit dem Schwert in die Schlacht zogen, sind schon lange vorbei. Dennoch – bereits als Kind und Jugendlicher bin ich im Kenjutsu unterwiesen worden und das war etwas, das mich damals mit Freude und Leidenschaft erfüllte. Vielleicht war es mein heimliches inneres Sehnen zurück in meine Kindheit, das ich mit diesem Schwert erfüllen wollte…
Ich sehe noch, wie ein weiterer Fangarm Henri-san erwischt und ihn zu Boden reißt. Mit Leichtigkeit durchtrennt Kirishimo den sich windenden Tentakel, doch bedauerlicherweise Weise hilft das Henri-san nicht weiter. Der abgetrennte Fangarm legt sich um seine Kehle und droht ihn zu ersticken.
Nun werde ich selbst von einem dieser Tentakel erwischt. Statt mich zu wehren und darauf zu warten, dass das Biest mich zu sich heran zerrt, gehe ich in die Offensive. Kirishimo schneidet singend durch die frostige Luft, bevor es einem dieser hässlichen Oktopodenschädel begegnet und ihn sauber in zwei Hälften teilt. An meinem linken Ohr zischt eine Gewehrsalve vorbei. Was zur…
Doch auf Mycrofts Zielsicherheit ist heute Verlass. Ein zweiter Oktopodenschädel fällt in sich zusammen. Mare hat mit seinem Wurfmesser einen dritten außer Gefecht gesetzt und wir sehen uns nunmehr „nur” noch mit 16 Fangarmen konfrontiert, von denen mich einer wieder erwischt und zu erdrücken versucht.
Nicht mit mir! Ich halte Kirishimo mit beiden Händen fest vor mich und lasse mich von dem Monster näher an sich heranziehen. Ich spüre, wie meine Mundwinkel in freudiger Erwartung nach oben gleiten, als Kirishimos Klinge in das dunkle Fleisch eindringt. Schwarzes Blut, oder was auch immer in den Adern dieser Kreatur fließt, sickert aus der Wunde. Mit Leichtigkeit ziehe ich das Schwert nach oben und beobachte wie in Zeitlupe, wie das glänzende Metall sich durch die Widerlichkeit des Leibes dieses unheilvollen Geschöpfes arbeitet, bis weitere acht Fangarme in sich zusammen fallen.
In Erwartung einer weiteren Salve aus Mycrofts MG – welche dann auch prompt folgt – gehe ich in Deckung. Der fünfte und letzte Schädel der Kreatur wird zerfetzt und die letzten acht seiner Tentakeln fallen schlaff zu Boden.









