Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

カナスに (Kanasu ni) – In Canas

Ich erwache beim ersten Tageslicht und bin fast vollkommen schmerzfrei. Vor dem Spiegel betrachte ich meine Verletzung – sie ist so gut wie verheilt. Die Wirkung der Kombination aus gezielt auf Heilung ausgerichteter Meditation und White Magic beeindruckt mich. 

Nach dem Frühstück telefoniere ich mit Highclere Castle und kündige meinen Besuch an. Eine Stunde später empfängt mich Butler Charles. „Seine Lordschaft erwartet Sie in der Bibliothek, Mr. Okumura“, sagt er. Ich kenne den Weg. Lorudo-dono studiert das gelbe Buch, das wir aus der Ruine in Tegel geborgen haben, legt es aber zur Seite, als ich den Raum betrete. Maikurofuto gesellt sich zu uns. Ich berichte meinen Freunden von meinem Ausflug ins Traumland und meiner Begegnung mit Senchō.  „Auf dich warten heute Abend drei frische White Magic-Tränke“, sage ich zu Maikurofuto. Mein Freund nimmt diese Nachricht mit Überraschung und großer Freude auf. Ich berichte auch, dass ich herausgefunden habe, wo unsere Sachen abgeblieben sind. Ich telegraphiere einige Male mit Senchōs Onkel hin und her. Wir einigen uns schnell. Herr Wigbold will das Gepäck, das Senchō ihm zur Verwahrung hat zukommen lassen, heute noch mit Ziel Southampton aufgeben. Ich weise die Frachtkosten im Voraus telegraphisch an.

Als am frühen Nachmittag auch Mari-chan auf Highclere Castle eintrifft, eröffnet sich eine neue Option. Wir könnten auch nach Kiel fliegen, dann wären unsere Sachen schon morgen und nicht erst in drei bis vier Tagen hier. Mari-chan ziert sich zunächst. Sie wüßte nicht, warum sie mir einen Gefallen tun sollte. Offenbar ist sie immer noch sauer auf mich. Maikurofuto aber gelingt es, sie von der Wichtigkeit dieses Transportes zu überzeugen, so dass sie schließlich einwilligt. Ich telegraphiere noch einmal nach Kiel und lasse Herrn Wigbold wissen, dass sich neue Optionen ergeben hätten. Sofern er das Gepäck noch nicht verschickt hätte, würden wir es morgen persönlich abholen. Wenig später kommt die Bestätigung. Das Gepäck ist noch in Kiel und kann morgen abgeholt werden. 

Wir wollen morgen früh starten. Mari-chans Sopwith ist zu klein, doch Lorudo-dono stellt uns freundlicher Weise seine Martynside zur Verfügung, so dass wir morgen direkt von hier aus losfliegen können.

Ich übernachte also gleich auf Highclere Castle. Nachdem ich eingeschlafen bin, erwache ich wieder auf der Pilzlichtung im Traumland. Pilze… Da war doch noch irgendetwas, was Senchō wollte. Irgendwas von Mari-chan… 

Unweit entdecke ich Mycroft. Er scheint genauso erfreut zu sein, dass wir uns hier treffen, wie ich. Wir kleiden uns an und ich gebe Mycroft die Phiole mit dem White Magic-Trank, die er auch augenblicklich einsetzt. „In Canas gibt es mehr davon“, sage ich und so begeben wir uns auf den Weg zu Esme. Sie hat wie versprochen die Tränke fertig gestellt und überlässt sie uns. Auch gibt sie uns einen Hinweis. Die Stadt wird bald versetzt und kann dann nur noch von Seeleute gefunden werden, erklärt sie. „Wenn Ihr noch etwas in der Stadt zu erledigen habt, solltet Ihr das bald tun“, sagt sie zu Mycroft gewandt.

Dieser begibt sich nun zu Schmied Etop. Bei einem seiner letzten Besuche hatte er hier eine maßgefertigte Rüstung und ein Schwert in Auftrag gegeben. Die Waffe und das Rüstzeug sind noch nicht vollständig fertiggestellt. Etop wird noch einen Tag brauchen. Maikurofuto greift in seine Tasche und gibt dem Mann vier Goldmünzen, worauf der Schmied ihm eine Quittung ausstellt, wonach das Schwert und die Rüstung bezahlt wurden. Dieser Schein gilt auch alles Abholbeleg für den Auftrag. Maikurofuto übergibt mir das Papierstück. „Kannst du die Sachen für mich abholen, falls die Stadt nicht mehr hier ist, wenn ich das nächste Mal hierher komme?“, fragt er mich. Gerne werde ich dieser Bitte nachkommen. Ich selbst suche mir aus dem Angebot von Schmied Etop ein gutes Langschwert aus, das ich für den Preis von zwei Goldmünzen erwerbe.

Wir denken darüber nach, noch einmal in den verwunschenen Wald zu gehen und nach der Zauberpflanze zu suchen. Nachdem er die beiden von Esme frisch zubereiteten Tränke zu sich genommen hat, wirkt Mycroft schon wieder ziemlich munter. „Brauchst du noch weitere Heilung?“, frage ich meinen Freund. Er horcht in sich hinein und meint: „Eigentlich geht es mir schon wieder ganz gut.“ „Dann macht das jetzt nicht viel Sinn, nach der Pflanze zu suchen“, wende ich ein, „die Heilwirkung des Trankes hält nur sieben Tage an. Sie wird verfallen, wenn wir sie jetzt nicht brauchen.“ Mycroft denkt kurz über meine Worte nach und pflichtet mir dann bei. „Du hast recht“, sagt er, „dann lass uns noch was trinken gehen.“ Auf diesen Vorschlag lasse ich mich gerne ein.

Im Gasthaus „Zum Seemannsgarn“ erzählt Maikurofuto mir von Kare. Sie macht sich Sorgen um ihn, sagt er. Das verwundert mich nicht. Es ist mir nicht entgangen, dass Dr. Nidelven tiefe Gefühle für meinen Freund hegt. „Du kannst dich glücklich schätzen, dass dich jemand so sehr liebt, wie sie“, sage ich, „sowas ist selten. Mach es dir nicht kaputt.“ „Ich weiß“, antwortet Maikurofuto. An seinem Gesichtsausdruck erkenne ich, dass er bereits seine Entscheidung getroffen hat. Nachdenklich starrt er in seinen Alekrug. „Ich sollte keinen Gin mehr trinken, sagt sie, das wäre nicht gut für mich“, sinniert er. Da könnte etwas dran sein.

„Vielleicht würde mir das auch gut tun“, sage ich, „jemand, der mich ab und zu darauf hinweist, wenn ich mir mal wieder selbst Steine in den Weg lege, jemand, dem gegenüber ich auch mal schwach sein darf.“ Maikurofuto sieht mich an. Er versteht was ich meine. „Für dich gibt es auch so jemanden“, versucht er mich aufzumuntern. „Vielleicht“, antworte ich und nehme einen tiefen Zug aus meinem Krug. Ich habe ihm nie gesagt, wie sehr ich ihn damals wirklich geliebt habe und er weiß auch nicht, wie lange ich gebraucht habe, um über ihn hinweg zu kommen – und das wird er auch so bald nicht erfahren. Es ist besser so…