EXESAE ARBORIS ANTRO
Meine Taschenuhr zeigt acht Uhr dreissig als das Frühstück serviert und uns der Fisch * übergeben wird. Wir halten uns nicht lange auf, die Expeditionsausrüstung bereits gepackt. Bis auf Mrs von Humboldt, die Ihre Proben sortieren möchte, sind beim Abstieg in folgender Reihenfolge dabei: Vorhut Col Winterbottom, Mrs di Fiona,. Mittelfeld: Ich, Lord Carnarvon, Dr Gaultier. Die Nachhut bilden Mrs Abdullah al Charie, und Mr Okumura.
*Siehe Vortag
Während des Abstiegs zeigen wir den neuen Teilnehmern unsere bisherigen Funde und erreichen schliesslich die Sohle. Auf dem Weg fällt uns neues auf, das wir gestern übersehen haben. Das Glimmern. In den herabstürzenden Wassern lebt vermutlich eine Algenart, die hier für ein fahles grünes Licht sorgt.
Von der Sohle aus folgen wir nun dem Gang, aus dem die Fußabdrücke kamen. Er führt uns weiter in die Tiefe und mündet in ein T-Stück. Wir gehen zunächst nach rechts. Das nun folgende Gangstück beschreibt einen sehr laaaaaaangen Bogen.
Eine weitere Höhle offenbart sich uns und wir stehen am Ufer eines Flusslaufs. Aus ihn ragt vor uns ein einzelner Stalagmit empor (Er wird später noch eine Bedeutung haben), uns Gegenüber ist ein Abfluss. Der Sims führt noch einige Meter nach links und rechts. Meine Taschenuhr zeigt zwölf Uhr dreissig.
Linkerhand verbirgt sich ein weiterer Abstieg dem wir folgen. Wir erreichen nach mehreren Ab- und Aufstiegen einen Dom, zunächst erscheint er uns als Sackgasse. Aber in acht Metern Höhe befindet sich ein Vorsprung der sich als zielführend erweisen könnte. Die hohe Wand sieht nicht sehr einladend aus, zudem könnte man sich bei einem Sturz an den zahlreichen Stalagmiten aufspiessen verletzten. Ich ahne nichts Gutes und als Motivationsverstärker wird ein Gin gereicht. Heißt es nun wieder klettern? Henry, das ist so überhaupt nicht Dein Gebiet.
Nachdem Wurfhaken nebst Seil sicher verankert sind, erklettert Col Winterbottom als Erster die Wand. Als er oben ist rufen wir ihm zu: “Er solle doch erstmal schauen was dort ist!” Kurze Zeit später kommt er enttäuscht zurück. Ein Einsturz blockiert den weiteren Tunnelverlauf. Auch scheint die Blockade nicht neueren Datums zu sein. Dieser Hinweis ergibt sich aus einem aufgeschlagenen Geröllstein und seiner erodierten Oberfläche.
Doch eine Sackgasse. So geht es zurück zu der T-Kreuzung. Auf dem Rückweg fühle ich mich kurz an das unterirdische Labor der Mi-Go erinnert – Warum nur? Am Fluß vorbei misst Col Winterbottoms seine hiesige Wassertiefe – etwas über knietief. Durch einen Hechtsprung an den Stalagmiten und zurück erkundet er zudem der Abfluss. Eine Idee wäre, dem Flusslauf entgegen zu rudern.
Wir betreten eine weitere, von der Grundfläche fast quadratische Höhle mit einem 1 1,2 x 4 messenden Podest. Dieses könnte für Schlafzwecke oder als Tisch genutzt worden sein. Für eine Sitzbank ist es eindeutig zu hoch.
Der nun folgende Gang mündet in eine geräumige Höhle, Mrs di Fiona und Col Winterbottom starren als erste hinein. Ich schätze ihre Ausmaße auf etwa 30 Meter x 40 Meter. Die Deckenhöhe schwankt durch zahlreiche Stalaktiten stark, ich schätze die mittlere Höhe auf 20 Meter. Ihr Boden wird von verzweigten Bächen durchzogen. Es ist laut und rauscht. Das aber mit Abstand auffälligste sind die Bauwerke, zwei Türme, ein kleinerer und ein größerer. Soweit von hier zu erkennen sind die Werke mittelalterlicher Bauweise. Handelt es sich hierbei um ein Templer-Versteck? Ich weise die Expeditionsteilnehmer noch einmal kurz auf die Templer hin.
Wir genießen Babettes Baguettes zu einem Gin. Während der Vesper betrachte ich die Bauwerke noch einmal genauer. Irgend etwas stimmt nicht mit Ihnen. Jetzt weiss ich es! Das ganze wirkt wie die Miniatur einer Burganlage. Der vordere kleinere Turm mißt etwa 3 x 3 Meter und ist etwa 5 Meter hoch. Der ‘Hauptturm’ ist mit 5 x 5 x 8 Metern auch nicht gerade üppig. Allerdings steht er etwa 3 Meter erhöht und ist von Stalagmiten eingefasst, was ihn beindruckender erscheinen lässt.
Nach der Stärkung geht es daran die Zinnen zu erklimmen. Zunächst muss ein Weg über den uns umgebenden Bach gefunden werden. Sicher angeseilt überspringen wir einer nach dem anderen vier Meter Flusslauf.
Beim Spurenlesen träumt Mr Okumura vor sich hin, aus dem Augenwinkel sieht Mrs Abdullah al Charie die Bewegung einer Person im hinteren Teil der Höhle.
Die querende Brücke ist aus Holzbohlen errichtet, die auf Stalagmiten liegen. Ihre Breite beträgt nur 60 cm. Dr Gaultier ist am Staunen; ‘Und sowas machen sie öfter?’
Da das Tor durch eine hochgezogene Zugbrücke getrennt ist, können wir nicht einfach einmarschieren. Es gilt also den eigentlichen Graben der Burg zu überwinden. Der erste Wurf mit dem Enterhaken gelingt nicht, Mrs Abdullah al Charie setzt erfolgreich nach. Col Winterbottom schwingt sich daraufhin auf den Vorturm. Mrs di Fion folgt ihm katzengleich, beide lassen die Zugbrücke für uns hinunter.
Wir betreten den ersten Hof. Vor uns ist eine Tür mit den Maßen 1.2 x 2.2 Meter, selbstverständlich verschlossen. Col Winterbottom öffnet die Tür mit seinem Dietrich, beim Öffnen der nach rechts anschlagenden Tür ertönt ein lautes quietschendes Geräusch.
Als wir auf dem zweiten Hof stehen folgt ein Ereignis, über das ich besser stillschweigen bewahren würde. Aber es ist essentiell für diese Expedition: Die Nachhut wird von, ich kann es nicht besser beschreiben, ‘hüpfenden Kugeln’ angegriffen. Das ganze geschieht so rasant das ich nur noch aus dem Augenwinkel Mr Okumura und Mrs Abduallah al Charie zu Boden sinken sehe, anscheinend wurden sie von diesen Kugeln berührt und dadurch betäubt.
Geistesgegenwärtig schnappt sich Lord Carnarvon die betäubte Mrs Abduallah al Charie, Col Winterbottom den ebenfalls betäubten Mr Okumura. Wir fliehen in den Schutz unter dm Turm. Die Angriffe lassen ab. Was in aller Namen war das denn?
Im Schutz unter dem Turm legen wir erste Hilfe an, aber ausser meine Handschuhe anzubieten kann ich keine wertvolle Hilfe leisten. Auch Riechsalz hilft nicht die beiden aus ihrer Ohnmacht zu erwecken. ‘Ist das etwa nicht mehr in Ordnung?’ fragt sich Mrs di Fiona und riecht daran. Ich mache eine Photographie.
Während die beiden noch betäubt sind erkundet Col Winterbottom die nahe gelegene Umgebung und entdeckt ein Tor, hinter dem die Kugelwesen vermutlich verschwanden.
Die erste Tür die in den Turm selbst führt hat eine darüberliegende Inschrift ‘WATCH THE ULMS’, was sind Ulms? Die Inschrift scheint magischen Ursprungs zu sein, denn wir stellen fest das je nach Betrachter sie einem in der jeweiligen Heimatsprache erscheint. Bei diesem Phänomen kneift Col Winterbottom sichtlich die Augenbrauen zusammen, denkt kurz nach und erinnert sich an eine Depesche von Cassilda in der eine unabhängige Rasse, die Ulms, genannt werden.
Mrs di Fiona legt Ihre Hand auf die Tür und spürt eine Kraft, eine Vibration, wie damals in Taunton. Ich lege meine Hand ebenfalls auf und spüre – Nichts. Mal wieder typisch, Henry.
Mrs di Fiona öffnet beherzt die Tür. Das dahinter liegende Turmgeschoss beherbergt einen Ritualraum und sie nimmt die Kraft nun noch viel deutlicher wahr. Weiterhin entdeckt einen Lederbeutel, enthalten sind eine Silbermünze, neun Kupfermünzen und die ‘Klaue einer exotischen Großkatze’.
Ich kann nur vermuten. Mögen sich einst Gläubige an diesen Ort zurück gezogen haben um spirituelle Kraft zu empfangen? Eine unerschöpfliche Quelle die es anzuzapfen gilt? Wir nennen es einfach Mana-Batterie!
Mrs Abdullah al Charie erwacht. Sie beschreibt etwas wirr folgende Szene: Eine Art Behandlungsraum, das Pestopfer liegt auf einer Bahre, ein Medicus ist anwesend. Und ganz wichtig, sie betont es immer wieder: Dieser Raum liegt irgendwo in diesem Höhlensystem!
Mr Okumura, der ebenfalls erwacht, brabbelt ganz anders: Eine ‘gefühlte’ Stimme hat zu ihm gesprochen. Aus den Tiefen der Erde kommen die Träume und senden sie (von dort an uns Menschen?)
Mrs di Fiona verteilt die Münzen. Wir stellen fest das, als wir sie in der Hand wiegen, eine Seite schwerer ist, als die andere.
Dr Gaultier drängelt. Wir sollen doch die zweite, höher gelegene Turmtür öffnen. Col Winterbottom versucht es umgehend, scheitert jedoch. Ein unheilvolles Geräusch ertönt und die Tür scheint nun erst recht verschlossen.
Über eine Räuberleiter gelangt zunächst Mrs Abdullah al Charie auf das Turmplateau, dann folge ich. Hier befindet sich im Boden ein Luke, die wir öffnen. Darunter hängt ein Tuch im Blickfeld, das wir zunächst entfernen. Dann leuchten wir in den unter uns liegenden Raum und schauen uns um: Die verschlossene Tür mit ihrem Schliess-Mechanismus von innen, Ein Stehpult, ein Regal. Wir lassen uns hinab und versuchen zunächst den Mechanismus der Tür zurückzusetzen was uns auch gelingt. Die anderen betreten den Raum.
Während Mrs die Fiona am Stehpult viel Staub aufwirbelt, entdeckt Lord Carnarvon im Regal einige interessante Zettelchen, ein ‘Geistlicher Schild’?
Mrs Abdullah al Charie sieht erheblichen Nachholbedarf bei der Sicherung solcher Anlagen: Gegeben ist eine versperrte Tür zu einem Raum. Von außen kann ich aber problemlos (über eine Räuberleiter) auf das Dach gelangen, hier eine Luke öffnen um in den Raum zu gelangen. Da hat sie nicht ganz unrecht.
Derweil betrachte ich das umlaufende Band was den Raum ziert. Es stellt den Himmel und die uns bekannten Sternenbilder dar. Ist das was ich hier sehe die Konstellation des heutigen Datums, genauer gesagt von jetzt gerade? Das wäre ein mehr als zufälliger Zufall. Dazu stelle ich meine Kamera an einer geeigneten Postion auf und schalte auf Langzeitbelichtung.
Klick.
Da Mrs di Fiona die Kraft des Raumes für sich nutzen kann, führen wir gemeinsam ein Ritual durch was unsere ‘Mana’ Spirituelle Kraft wiederherstellt. Ich nehme gerne Teil aber bin ich mir da ja nicht so sicher: Nehmen heißt ja irgendwie geben, das Gleichgewicht und ob dieser Ort wirklich unerschöpflich ist oder gar etwas verlangt?
Klick.
Meine Taschenuhr zeigt achtzehn Uhr als ich ein zweites Mal den Auslöser betätige und die Langzeitaufnahme beende. Dann gehen wir zu dem Tor was Mr Winterbottom bereits entdeckt hatte. Qietschend läßt es sich öffnen, dahinter ein Gang.
Dieser macht wenig später einen Knick, dahinter führen 24 Stufen nach oben, am oberen Treppenabsatz macht der Gang erneut einen Knick. In gewohnter Reihenfolge beginnen wir den Aufstieg. Nach mehreren 24-stufigen Treppenabsätzen und Knicken ist diese Art Treppenhaus beendet und der Gang folgt wieder horizontal.
Am Ende erreichen wir einen großen Hohlraum. Stalagmiten mit gekappter Spitze stehen in einem Halbkreis. Jeder ist ein Stück höher als der vorherige – wie eine Treppe über deren Stufen ich springen muss. Am oberen Ende ist der Eingang in einen weiteren Gang zu erkennen. Wir vermuten das sich dahinter das Nest der hüpfenden Kugeln befindet und beschließen uns diese Begegnung zu ersparen. Es existiert ein triftiger Grund: Die Hasenpastete von Mademoiselle Babette wartet auf uns und darf nicht kalt werden! Auf dem Rückweg schließen wir das Tor ab und Mrs Abdullah al Charie eroiert die verbleibende Möglichkeiten:
- Dem Flusslauf folgen
- Geheimtüren entdecken
- In das ‘Nest’ eindringen’
Meine Taschenuhr zeigt Neunzehn Uhr fünfundvierzig als wir an die Oberfläche zurückkehren. Schnell noch frisch machen, mit Indy und Tamino raus, dann der Grund des Tages: Die Hasenpastete, einfach herrlich! Während diesem Genuß diskutieren wir lebhaft das Erlebte:
- Handelt es sich um einen Rückzugsort der Templer?
- Schild-Zettelchen.
- Übersicht Latein
- Was sind Ulms?
- Manabatterie. Ist sie unerschöpflich?
- Die magische Farbe (Astrolabium)
- Pandemie und Pest
- Der Fisch als Opfergabe wurde nicht bestätigt
Wir begutachten erneut den geborgenen Schatz aus dem Weinkeller und entdecken erstaunlich viele Dokumente über oder im Zusammenhang mit der Pest.
Beim einschlummern ziehe ich noch ein persönliches Fazit: Gut das es keine Ratten gab.









