Deliratio
Was für ein Traum! Zurück im Gasthof sichten wir während des Frühstücks unser Material und uns kommen neue Gedanken: Es gibt einen Schnittpunkt der drei Pyramiden. Hm, einen Schnittpunkt gibt es doch immer, oder?
Das mit dem Schnittpunkt lassen wir zunächst. Wir reiten zur dritten, der größten ‚Pyramide‘. Und hinauf. Der Weg besteht aus großen Steinplatten. Indi bleibt plötzlich in Wachstellung stehen. Er hat etwas gewittert. In einer unnatürlichen, ja fast sitzender Stellung neben dem Weg das Skelett eines Hirsches. Mr Winterbottom wirft ein, dies könnte eine Warnung sein. Unweit entdecken wir ein Loch im Boden in das man reinkriechen könnte. Mr Winterbottom kriecht hinein, angeseilt. Er schreit plötzlich und wir ziehen ihn hinaus. Er faselt etwas von Geräuschen direkt in seinem Hirn.
Als wir weiter hoch reiten hören wir unnatürlich laut die Frösche quaken. Mare sieht am Wegesrand nach und entdeckt einen Kugelfrosch der sich daraufhin zurückzieht und den Weg hinunter kullert. Bei dem Anblick kommt mir der Gedanke ob Mr Okumura schon mal statt einem Kugelfisch (河豚) einen Kugelfrosch (球状蛙 ?) zubereitet hat?
Wir erreichen das Plateau, zunächst fällt auf das die Flora eine unnatürliche Wärme abgibt. Die Bäume sind besonders warm, zudem sind ihr Blattseiten vertauscht. Mein Kompass spielt verrückt. Auf dem Rückweg beobachte ich das Phänomen. Umso weiter wir absteigen umso weniger wird der Kompass gestört.
Anschliessend reiten wir zur nahen Mondpyramide. Wir schlagen uns durch das Dickicht und erreichen an der Spitze ein erstaunlich flaches Plateau. Indi tollt herum und ist plötzlich verschwunden. Ich suche ihn und da sitzt er brav. Neben einer Öffnung im Boden. Die anderen folgen und Mr Okumura klettert zur Erkundung hinein und entdeckt das der Spalt sich dahinter zu einem Gang erweitert. Kurz darauf ist eine Sitzmulde in der Gangwand. Wir losen aus wer sich reinsetzen muss, ich bin es. Glück gehabt Henry, nichts passiert. Der Gang wird mal breiter mal enger. Interessant, diese könnte der Grund sein warum es hier zur guten Luftzirkulation kommt.
Wir erreichen einen Abschnitt wo der Gang abfällt und allmählich unter dem Grundwasserspiegel zu verschwinden droht. Mr Winterbottom geht zunächst allein vor. Er geht, er taucht unter das Wasser was keine Probleme zu bereiten scheint. Wir folgen. Wie mit Bleischuhen haftet man am Grund und das Atmen unter Wasser ist auch kein Problem – herrlich fraglich. Nicht nur ich verlasse völlig euphorisch den überfluteten Teil auf der anderen Seite. Nicht einmal nass scheinen wir zu sein. Dahinter führt der Gang weiter und wir folgen ihm, er weitet sich, er verengt sich, eine kleine Untiefe.
Dann taucht unerwartet ein Wirbel vor uns auf. Ein anschwellendes unangenehmes Geräusch begleitet den Wirbel. Er bewegt sich auf mich zu, ich versuche noch, argh. Ich höre was? Eine Nachricht? Nein, ich verstehe nicht? Grün, da ist es grün. Ich, ich renne, laufe, gehe, der Wirbel scheint mich nicht weiter zu verfolgen (gS -8).
Nach vielen Metern bleibe ich erschöpft stehen. Die anderen stossen dazu und scheinen ebenfalls verstört. Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Der Stollen gabelt sich. Wir gehen nach rechts. Der Gang beschreibt eine leichte Biegung bis er sich erneut gabelt. Nun gut. Nach einigen Testläufen analysiere ich das Labyrinth und komme zu folgendem Schema:
So ist es dann auch und alle Stränge führen mehr oder weniger in eine Höhle. Hier rutsche ich jedoch sofort aus und gleite hinab in eine weitere Höhle und komme vor einem auffälligem Stein zum liegen. Ein Monolith. Abmessungen ca 360 m lang, 160 breit, 40 tief, Verhältnis rund 1:4:9, aufgeständert. Die Höhlendecke wird von Holzbalken gestützt. Vor einer Wand steht ein Altar mit Opfergabe: Figuren, Dreiecke, Gefässe, Steine mit Ritzungen.
Von dem Monolith geht wieder diese seltsame ‚Strahlung‘ aus, ähnlich der Kugel. Uns kommt in den Sinn den Stein gemeinsam anzufassen! Wieder das gewohnte Gefühl- Es steigert sich zu einem pulsieren und durch unterstützendes Singen (wie immer schlecht, Henry) hebt sich der Stein langsam und schwebt! Zeitgleich verschwindet hinter dem Altar ein Teil der Wand und stattdessen erscheint eine Art Portal. Während der Stein schwebt schaue ich auf die Unterseite und auch hier sind wieder Linien eingraviert. Langsam lassen wir den Stein ab, das Portal schliesst sich leicht zeitversetzt, ich schätze so 5-6 Sekunden.
Zweiter Versuch: Wir heben den Monolith nur zu viert. Das geht, erfordert aber deutlich mehr Konzentration jedes einzelnen. Mr Winterbottom geht durch das Portal um die Lage dahinter zu erforschen. Er ruft uns zu und beschreibt einen dunklen, ja fast schwarzen kreisrunden Raum von 10 m Durchmesser. An der Wand seien Symbole, zwischen einem und fünf Meter hoch. Dann kehrt er zurück und wir lassen den Stein vorsichtig ab.
Dritter Versuch: Während die anderen den Stein erneut heben gehe ich noch einmal nachsehen. Der kreisrunde Raum ganz in Schwarz. Ich betrachte die erwähnten Symbole genauer: Wie Schlüssellöcher für verschiedene Lebensformen.

In eines würde ich gut passen:
Im Seitschritt zwänge ich mich durch diese Öffnung und erreiche nach rund 5 m eine lange helle Halle. Im Gegensatz zum Vorraum ist sie ganz aus weissem Gestein, in etwa 10 m breit und 150 m tief. Am Ende ist eine Art Geländer zu erkennen. Nun aber zurück, Henry, die anderen warten schon und wer weiss wie lange sie den Stein noch in der Schwebe halten können.
Wir beschliessen zu fünft durch das Portal zu gehen, heben den Stein gemeinsam und nutzen die zeitliche Versetzung aus. Einer nach dem anderen huschen wir hinurch. Nach der Schwarzen gelangen wir in die Weisse Halle. Am Ende befindet sich eine Wendeltreppe nach unten und auf halbem Weg zweigt ein Gang ab (Mare entdeckt ihn); drei Stufen abwärts dahinter ein Gang mit zwei weiteren Durchgängen.
Wir wählen zunächst die Wendeltreppe abwärts. Sie ist sehr lang und schließlich erreichen wir eine Art Kapelle, 3 x 3 x 3 m, mit rechteckiger Öffnung an der Stirnwand. Wir kriechen nacheinander hinein in einen Gang dessen Textur pyramidenförmig ist. Durch diese Oberflächenbeschaffenheit wird der Schall derart gebrochen das eine Verständigung schwer möglich ist. Der Gang verläuft in einer Spirale abwärts, richtig tief. Der Kriechgang endet in einer weiteren Kammer 1,3 m hoch, 3 m breit mit einer weiteren rechteckigen Öffnung.
Ich krieche hindurch und stehe auf einem Vorsprung. Über mir befindet sich ein weiterer Vorsprung (Dach). Vor mir sehe ich eine Treppe, sie führt 20 Meter hinauf zu einer Plattform , wie ein Sprungbrett. Dann erst erfasse ich: Die Plattform auf der ich stehe befindet sich im unteren Drittel eines großen Hohlraums, einer Kugel. Ich würde schätzen 1,5 km Durchmesser. Das obere Drittel wird durch einen Nachthimmel abgeschnitten, das uns bekannte grüne Sternenbild!
Just in jenem Moment als Mr Winterbottom uns etwas mitteilen möchte wird er umgeworfen und rund drei Meter weit geschleudert. Mare schreit auf und wie von einer Ohrfeige getroffen wird er daraufhin niedergestreckt. Mr Okumura möchte etwas sagen, dann wird auch er umgeworfen und landet verdächtig nahe am Rand des Vorsprungs. Hier darf nicht gesprochen werden? Zum Gegentest trete ich sanft auf, mein Fuss wird leicht von einer unsichtbaren Kraft angegestossen. Also andere Geräusche ebenfalls vermeiden. Dann passiert auch nichts.
Mr Winterbottom rappelt sich auf und summt leise. Daraufhin schwebt er einige Zentimeter über dem Boden und schwebt auf die Treppe zu. Leise schleiche ich mich ebenfalls die Treppe hoch während Mr Winterbottom da schon weiter ist: Er summt in immer höherer Tonlage, steigt immer weiter auf und scheint von dem Nachthimmel verschluckt zu werden. Am Ende der Treppe ist eine Plattform und von hier stimme ich in das Summen ein. Ich steige hinauf in den Nachthimmel. Während meines Fluges berühren mich Tentakel aus der Dunkelheit, aber Dir kann nichts passieren, Henry. Als ich mich dem grünen Zentralgestirn nähere entpuppt es sich tatsächlich als Portalkugel. Ich schwebe. Nur für einen kurzen Moment ist es mir vergönnt das grüne Zentralgestirn mit der Fingerspitze zu berühren. Dann greift Mr Winterbottom sich die Kugel und das Sternebild fällt in sich zusammen. Ich ändere schnell die Tonlage und lande sicher auf dem Vorsprung.
Nun heisst es einen Ausgang finden, dazu kehren wir in die Weisse Halle Zurück. Ich gehe noch mal in die Schwarze Halle zurück um die Symbole abzuzeichnen. Wie mir scheint ein Fehler: Beim Abzeichnen höre ich schmatzenden Geräusche aus einem der Symbole (Tunnel) und flüchte in die weisse Halle. Doch das schmatzende Geräusch scheint sich durch den Zugang zu quetschen und uns zu folgen. Wir flüchten in den Seitengang und nehmen den rechten Tunnel. Kommen jedoch wieder bei dem linken heraus. Haben wir in der Panik etwas übersehen?
Wir gehen noch einmal bedacht den rechten Tunnel ab und siehe da, eine Steinscheibe mit Runen und einer Platzierung für die Kugel. In dem Moment als Mr Winterbottom die Portalkugel in der Steinscheibe platzieren möchte ist unser schmatzender Freund eingetroffen: Ein Tentakel schiebt sich um die Ecke und erfasst Mr Winterbottom. Ich rufe ihm noch zu mir die Kugel zuzuwerfen, aber das wird nichts mehr. Das Wesen scheint aus fünf Oktaiden zu bestehen die sich zu einem Körper zusammengefasst haben. Also 40 Tentakel wollen uns ans Leder. Ich werde von einem der Tentakel erfasst und am Hals gewürgt, die Saugnäpfe setzen sich auf meinem Rücken fest und ich werde in Richtung Schnabel gezogen.
Was nun folgt ist erstklassige Schwertkunst (剣術) Mr Okumura trennt zunächst den Tentakel ab der mich am Oberkörper erfasst hat. Ein weiter Tentakel packt mich am Fuss und ich werde zu Boden gerissen. Mr Okumura schlägt mit seinem Katana erneut zu und die zweite Bedrohung löst sich augenblicklich von meinem Bein. Dann geht Mr Okumura in den Nahkampf über…
Nun hilft Mr Link mich von dem ersten Tentakel zu befreien. Endlich Luft. Was für ein Glibber. Aber erneut werde ich von einem Tentakel am Fuss gefasst und umgeworfen. Ich steche mit meinem Stock zu, leider daneben. Aus dem Augenwinkel sehe ich wie Mare einen Dolch wirft und Mr Winterbottom eine Salve feuert. Der Tentakel wird schlapp und lässt von meinem Fuss ab. Ich werde befreit. Und muss kurz würgen! Einige geschickt gesetzte Schwerthiebe und eine Salve später ist dann Ruhe.
Nur ein kurzer Moment der Erholung, dann ist der Moment gekommen: Mr Winterbottom setzt die Portalkugel ein. Die Runen beginnen zu leuchten und die Wirbelwesen drehen sich immer schneller. Schlagartig entsteht ein Sog, zuerst die Portalkugel, dann werden auch wir in das Portal gezogen. Mich erfasst ein körperloses ätherisches Gefühl. Ich fliege, ich steige auf aus der Sonnenpyramide und bin zu einem Geistwesen geworden (gS -10) ? Mir bekannte und unbekannte Szenen ziehen an meinen Augen vorbei: Ich sehe zunächst Pyramiden, ihre Verbreitung weltweit, dann die Steinstelen in Schlangenform (gS -8).
Die Bilder wiederholen sich: Die Pyramiden weltweit, Steinstelen (gS -2). In einer Eingebung denke ich an meine Frau und wie sie an Bord der Titanic gegangen ist. Mir wird schwarz, wie die Nacht.












