Burg Wildenberg (Kirchzell)
Auch Wildenburg genannt, ist eine stauferzeitliche Burgruine im Odenwald. Die Burg Wildenberg wird als die wahrscheinliche Burg angenommen, die in Wolfram von Eschenbachs Artusroman Parzival als Montsalvaesch genannt wird und je nach sprachlicher Herkunft als Heilsberg oder wilder Berg gedeutet wird (vgl. Abschnitt 230, Vers 13). Im 5. Buch („Die Gralsburg“) wird Wildenberg auch ausdrücklich erwähnt: „Wer sah so große Feuer je/Hier bei uns in Wildenberg?“ Es wird daher angenommen, dass Wolfram von Eschenbach einen Teil des Romans hier geschrieben hat.[4] Für diese Fragen kommen aber auch weitere mögliche Burgen in Betracht, möglicherweise schöpfte Wolfram von Eschenbach seine Beschreibung des heiligen Berges auch nur aus der zeitgenössischen Paradiesliteratur.[5]
Die Herren von Dürn, verdiente Gefolgsleute der Stauferkaiser und Schutzvögte des Klosters Amorbach, gelten als Erbauer der Burg, deren Entstehung auf zwischen 1180 bis um 1200 datiert wird. Nach der Amorbacher Klosterchronik begann aber erst sein Enkel Konrad I. von Dürn (gestorben 1258) um 1216 mit dem Bau. Wahrscheinlich ist damit aber wohl nur der Bau des Torturmes gemeint.
In den Jahren 1271 und 1272 wurde die Burg nach finanziellen Schwierigkeiten der Dürner teilweise an das Erzstift Mainz verkauft und später zum Amtssitz der Mainzer Verwaltung, nachdem die Herrschaft Walldürn 1292 von Mainz komplett erworben wurde. Die Verwaltung erfolgte zunächst durch Offiziate, später durch Vogt oder Burggraf. 1291 war ein Heinrich Offiziat, um 1320 war es Konrad Rüdt von Collenberg. Im Jahr 1337 sühnte sich Erzbischof Heinrich mit seinem Domkapitel aus und überantwortete für kurze Zeit den Domherren auch Burg Wildenberg. 1350 wurde das Amt der Burg an Eberhard von Rosenberg verpfändet, 1354 löste Konrad Rüdt von Collenberg das Pfand wieder aus. Durch eine Aufstockung seiner Anleihen an das Erzstift Mainz erhielt Konrad auch die Ämter Walldürn und Buchen. 1356 soll ein Erdbeben die Burg stark beschädigt haben. Erzbischof Gerlach verpfändete im Januar desselben Jahres, ohne Zustimmung seines Domkapitels, dem Engelhard von Hirschhorn die Burg Wildenburg, die Stadt Amorbach und eine Gülte in Miltenberg. Ein Jahr später leiht er sich bei seinem Wildenburger Burggrafen Konrad Rüdt von Collenberg Geld.[1]
Ab 1368 waren Wiprecht von Dürn, Eberhardt Rüdt von Bödigheim, Fritz von Dürn und Eberhard von Fechenbach Mainzer Burgmänner. In der Folgezeit bis ins 15. Jahrhundert sind zumeist Vertreter dieser Familien als Amtmänner erwähnt.
In den Jahren 1400 bis 1511 wurde die Burg spätmittelalterlich ausgebaut. Der Westturm und die Sperrmauer durch den Burghof entstanden, die Kapelle wurde erneuert. Die Burg war noch bis 1525 Sitz eines mainzischen Amtmannes des Amtes Amorbach. Im Bauernkrieg waren es Bauern aus dem „Hellen Haufen“ des Ritters Götz von Berlichingen, die die Burg Wildenberg am 4. Mai 1525 niederbrannten. Seitdem ist sie eine Ruine.
1803 kam sie durch die Säkularisation kurzzeitig an das Fürstentum Leiningen. 1806 wurde das Fürstentum Leiningen durch das Großherzogtum Baden mediatisiert. Schon 1810 wurde die Burg mit dem Gebiet um Amorbach Teil des Großherzogtums Hessen-Darmstadt und 1816 durch Gebietstausch an das Königreich Bayern.
1920 ist die Burgruine ein beliebtes Wanderziel und wird gelegentlich für kulturelle Veranstaltungen genutzt.











