不気味の谷現象 (Bukumi No Tani Genshō) – Das Phänomen des unheimlichen Tals
Mycroft fragt mich beim Frühstück, ob ich in Erfahrung bringen könnte, auf welcher Route sich die Bombay Star bei der Havarie, von der wir in der Zeitung gelesen hatten, befunden hat. “Ich weiß nicht, ob ich das kann, aber ich kann es versuchen”, antworte ich.
Ich versuche meinen alten Kameraden Tanaka Naoki, der mit mir zusammen auf der Akutsushima, seines Zeichens als Funker, gedient hatte, zu erreichen. Er war vor einigen Jahren in den zivilen Sektor gewechselt und ist nun für die japanische Küstenwache tätig. Leider erreiche ich ihn nicht. Er ist im Urlaub.
Mycroft überredet mich, direkt in Yokosuka in der Hafenmeisterei nachzufragen, doch auch da haben wir kein Glück. Der Hafenmeister ist schlecht gelaunt und wenig auskunftsfreudig. Er ärgert sich vermutlich, dass er arbeiten muss, während die meisten Menschen jetzt noch die letzten Urlaubstage nach den Festtagen verbringen. “Funktioniert Geld, um ihn zum Reden zu bringen”, fragt Mycroft, als ich ihm von diesem weiteren Misserfolg berichte.
“Nein”, antworte ich, “nicht hier in Japan.”
Ohne neue Erkenntnisse kehren wir zurück nach Tōkyō. Es ist 13:00 als wir dort ankommen.
Auf dem Weg zur Bibliothek bringe ich den Mietwagen zurück und besorge Zugfahrkarten für unsere morgige Reise nach Nagasaki. Es ist bereits halb drei, als ich schließlich die Bibliothek erreiche.
Ich werde erstaunlich schnell fündig. Es gibt einige alte Geschichten, die das Phänomen des unheimlichen Tals zum Thema haben. Es wird beschrieben als eine Grenzwelt zwischen dem, was echt ist und dem, was falsch ist. Menschen, die diesen Pfad beschreiten, werden in diesen Geschichten fast immer vor eine Prüfung gestellt, meist in Form einer Wahl oder einer Entscheidung, die sie treffen mussten.
Je mehr ich darüber lese, desto klarer wird mir, dass ich selbst diesen Pfad beschritten und diese Grenzwelt zwischen Echt und Falsch betreten habe. Auch der besagten Prüfung habe ich mich gestellt und eine Entscheidung getroffen, wie sich diese aber auswirkt, muss sich mir noch offenbaren.
Als ich am frühen Abend nach Okumura-tachi zurückkehre, ist Mycroft gerade dabei, zu telefonieren. “Er ist gerade reingekommen. Sanjūrō, der Lord ist am Telefon, willst du mit ihm reden?”
Ich winke ab. “Mach du das mal“, antworte ich. Ich bin ziemlich erschöpft und habe keine Lust zu telefonieren. Die Aufregung der letzten Tage macht sich nun, da die Anspannung langsam von mir abfällt, spürbar bemerkbar.









