跡形も無く(Ato kata mo naku) – Spurlos
Auf Drängen des Lords haben wir gestern den Colombier erstiegen und den Ort, an dem seine Tochter verschwunden ist, selbst unter die Lupe genommen. Ein Spürhund wurde mit auf die Expedition genommen, doch weder des Hundes noch unsere eigene Wahrnehmung brachten neue Erkenntnisse. Auch die Luftaufklärung, die Mari-chan und Senchō mit Mycrofts Martinsyde vorgenommen hatten, blieb ebenso ergebnislos.
Am heutigen Morgen unterrichtet uns Dr. Monbardeau, dass es wieder einen Diebstahl gab. In der Ortschaft Champrion ist eine Figur des Heiligen Martin aus dem Hof der Dorfkapelle verschwunden. Mare und Senchō, die in der letzten Nacht dort Patrouille geritten waren, hatten von den Dorfbewohnern nur Spott geerntet. So etwas passiere nur in den anderen Dörfer, hatte man gesagt. Nun ist man etwas schockiert, dass es auch diesen Ort getroffen hat.
Es gibt vorrangig zwei Mutmaßungen darüber, wer oder was für die mysteriösen Diebesfälle verantwortlich ist. Einige behaupten, dass zwei Wanderarbeiter die Diebe seien, andere sprechen von Geistern, die hier ihr Unwesen treiben. Am Tatort sind, wie auch schon an den anderen zuvor, keine Spuren gefunden worden.
Vor dem Abendessen widme ich mich meinem Budō und übe weiter die Form, die Kuro mich lehrte. So ganz habe ich noch nicht verstanden, was das Ziel und Ergebnis dieser Übung ist und wohin es mich führen wird. Ich werde es wohl einstweilen erfahren, sobald ich die Form und das Timing gemeistert habe.
Ich unterbreche meine Übungen für das Abendessen. Mycroft versucht mich zu einem nächtlichen Ausritt zu eine Burgruine nahe der Ortschaft Châtel zu überreden. Wenn die wie auch immer gearteten Diebe ihren Pfad wie bisher fortsetzen, müsste dort ihr nächster “Anschlag” stattfinden. Ich verspüre jedoch wenig Lust, auf verschneiten, möglicherweise vereisten, Pfaden in ungekanntem Terrain durch die Nacht zu reiten. Ich weiß Besseres zu tun, als auf diese Weise meinen Hals zu riskieren und setze lieber mein Training im nächtlichen Innenhof des Chateaus fort.
Es ist schon fast Mitternacht, als ich schließlich genug habe. Kurz nachdem ich auf das Zimmer gegangen bin, kehrt Mycroft zurück.
“Du hast etwas verpasst”, meint er, “wir haben 96 Kultisten erschlagen.”
Skeptisch mustere ich meinen sauber und ordentlich gekleideten Freund.
“Das war dann wohl eine ziemlich unblutige Angelegenheit”, wende ich ein.
“Ich bin halt gut”, gibt er selbstsicher grinsend zurück.
“So gut bist selbst du nicht”, erwidere ich. Ich habe den Scherz meines Freundes längst durchschaut.
“Du hast Recht“, gesteht er, “wir haben lediglich ein paar Dorfbewohnern erschreckt.”









