In die Höhle des Löwen
Bereits am gestrigen Abend zeichnete es sich ab, das die Mehrheit der Mitglieder ein Treffen mit unserem Konkurrenten, Sir Crichton, zu treffen, um weitere Hinweise und magische Bücher zu erhalten. Da Henry und Carla bisher keinen Kontakt mit dem Sir hatten, entscheiden wir, dass Sie den Erstkontakt machen. Ich werde zur Sicherheit als Chauffeur verkleidet mitreisen. Ich beratschlage mich nochmals unter 4 Augen mit dem Lord, um Worst-Case Szenarien durchzuplanen. Er bleibt an Deck der Almina, zu wertvoll sind die Kugeln, die der durchtriebene Chrichton unbedingt haben will.
Nachdem ich mir einen Mietwagen habe kommen lassen, ziehe ich mich um und klebe mir einen Bart an. Ich komme mir albern vor und übe vor einem Spiegel einige typische Gesten und Aussprüche, bis ich mich wohler in der Rolle fühle. Lieber wäre mir ein unangekündigter nächtlicher Besuch, aber wir sind ja in England. Meine Zeit in Indien und die wilden Ausschweifungen mit dem Lord haben mich etwas verrohen lassen, konstantiere ich schwermütig. Nach 2 Motivations Gins und weiteren Schauspielerei gehe ich zum Wagen, mit 5 versteckten Waffen am Leib. Kurz denke ich an das Nitroglyzerin, verwerfe aber den Gedanken.
Die Fahrt verläuft ruhig, wir geniessen die Fahrt. Die Landschaft wird kahler, und als wir zur Hartland Hall fahren, sehe ich nur noch Klippen und Steine. Das Anwesen ist sehr gut gepflegt, bemerke ich beim Näherkommen. Nur ein Butler steht am Eingang des Tor, als ich langsam auf dem eisweißen Kiesweg vor der Landvilla zum Halten komme. Etwas beklommen scheinen Henry und Carla zum Treffen mit unserem Erzfeind doch zu sein. Ich zweifle an der Richtigkeit dieses Vorgehens weiterhin, mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Rien ne va plus.
Die Zeit verstreicht und nennenswerte Ereignisse bleiben aus, selbst Vögel scheinen die Luft hier zu meiden. Nach einiger Zeit geht ein Stalljunge mit einem wunderschönen weißen Roß an mir vorbei, ohne mich anzuschauen. Ich warte und schwitze sogar an den Händen unter den weißen Butlerhandschuhen. Der falsche Bart juckt wie verrückt. Wie lange brauchen die denn? Ich lausche angestrengt, kann aber nichts vernehmen. Gut. Warten. Ich schwitze und kriege schlecht Luft. Warten.
Gerade als ich den Kragen lockern wollte, kommt der Butler heraus. Ich staune, das er allein kommt. „Die Herrschaften erwarten Sie, würden Sie mir bitte folgen?“ Holen Sie nun mich? Haben sie stumm die beiden erledigt? Paranoid schlucke ich und nicke stumm. Beim Aussteigen öffne ich die beiden Halfterschnallen und entsichere beide Sturmpistolen, ohne das der Butler dies zu bemerken scheint. Ich folge ihm durch das Anwesen durch in den Westflügel. 1 – 3 – 4 – 6 Personen zähle, bis ich direkt in dem Raum mit Carla, Henry sowie dem Sir Chrichton treffe. Die beiden sind wohlauf und begrüssen. Sie bitten mich Platz zu nehmen. Sir Chrichton weißt auf einen elegantes Sofa. Die Szene scheint so unwirklich, plötzlich hierzustehen, meine Hand wandert zur Pistole. „Aber, aber, verehrter Mr. Winterbottom, entspannen Sie sich, alles ist in bester Ordnung! Bitte setzen Sie sich doch und hören Sie mir zu!“
Schlagartig werde ich ruhig, unglaublich ruhig. Meine Hand fällt kraftlos herunter. Ich war froh, dass niemand etwas geschehen war. Wie damals meine Schwester, ihr konnte ich auch nicht helfen. Plötzlich wirkt alles so fremd hier. Habe ich einen Flashback? Mechanisch antworte ich auf Fragen, aber denke sonst an meine Schwester Helena …









