Innerhalb Qeras
Ich bin wohl nach der Pfeife noch einmal eingenickt, nun ist es wohl schon Nachmittag und ich ziehe meine Uhr neu auf. Ich horche und beschliesse meine Barrikade soweit abzubauen um hinaus zu kommen – gerade ist ein sicherer Durchschlupf eröffnet, als ich dieses Szwuhsch..sch hören kann, das Geräusch, das auch mein Durchschreiten des Triptychons begleitete, bringt mich auf die Beine, mir ist noch etwas schwindelig, aber das wird schon. Die Schlieren vor meinen Augen lösen sich langsam auf, wie der morgendliche Nebel. Ich bin vorsichtig auf dem Weg zur Sandrampe und nach etwa einem Dutzend Metern, ein erneutes Szwuhsch..sch. Mein sich langsam geklärter Blick erspäht jenseits des Flusses eine Menschenmenge, die mit dem verbindenden Bau einer Brücke von Danderra hierher beschäftigt scheint. Ich gehe weiter und erreiche den letzteten Felsvorsprung von einem weiteren Szwuhsch..sch begleitet und kann nun Kazeems Stimme erkennen. Ich stehe fast unter der rechten Statue, als ein weiteres Portaldurchschreitungsgeräusch meine Sinne entzückt, da ich nun auch Kazeem mit Gewehr im Anschlag an „meiner“ Rampe ins Tal hinabspähen sehen kann. Ich beschleunige meine Schritte und mir fällt auf, wie zitterig ich immer noch bin, während ich, die etwa sechs Höhenmeter überbrückende, Sandrampe emporklettere. Kazeem erkennt mich und reicht mir zu allererst seinen Wasserschlauch mit den Worten, versucht die kleinsten Schlücke, und ich trinke wie ein Moskito – es ist herrlich – die Verwirrung lässt nach. Nach weiteren winzigen Schlücken löst sich langsam meine Zunge vom oberen Gaumen und ich kann Kazeem um eine Flinte bitten, er bietet mir die Mondragon, welche ich kopfschüttelnd ablehne, deute lächelnd mit einem Nicken auf die Schrotflinte an seinem Rucksack. Mit leiser,knarzender Stimme warne ich Kazeem, vor den von mir entdeckten Zinnenwächtern. Zum ersten Mal habe ich die Möglichkeit, mich auf diesem vermeintlichen Plateau umzusehen. Inzwischen haben Kazeems Augen in der rechten Statue, linkes Auge einen Zugang entdeckt.
Ein mir leidlich bekanntes,wahnsinnerzeugendes akustisches Grauen hebt an, geistesgegenwärtig verschliesse ich meine Ohren, Rufe eine Warnung und knirsche mit den Zähnen, bis ich glaube sie müssen mir zerspringen – wie Glas – dann ist auch diese Erfahrung überlebt, aber ich erkenne, das “Es” meine Gefährten nicht besser vertragen haben, als auch ich – beim ersten Mal tuts richtig weh. Der Lord scheint von Sinnen, zieht noch in zusammengekümmter Haltung eine Pistole, wohl um sich zu entleiben. Howard entreißt sie ihm rechtzeitig. Nun springe ich dem Lord zuhilfe, der behände eines seiner Messer in Händen hält, um die Entleibung nun manuell zu vollziehen – ich schlage den Lord nieder und dann hat Howard einiges zu tun, aller Messer des Lords habhaft zu werden.
Derweil hat Kazeem seinen Rucksack abgelegt, um diese hundert Fuss hohe rechte Statue zu erklimmen – es gelingt ihm glücklicherweise in einem Versuch. Dann, nachdem wir überlegen wer als zweiter folgen soll, lässt Kazeem uns eine Strickleiter herab – wir folgen, ohne halsbrecherische Kletterversuche wagen zu müssen. Oben im Kopf angekommen, erkenne ich einige astronomische Konstellationen und kann eine ungefähr fünf Jahrtausende umfassende Beobachtungsperiode ableiten. Verflucht sei der Africa-Mann, wir müssen diesen unheiligen Oberpriester Anch erledigen.
Nachdem Kazeem seinen Rucksack wieder trägt und die Strickleiter hochgezogen ist, läßt er sie nun wieder in dem Schacht im Kopf der Statue ab, aus der er sie zuvor entlieh – also weiter – abwärts. Hundert Fuss weiter unten entdecken wir ein Labyrinth aus Gängen und Nischen, angefüllt mit Kanopenkrügen wie Howard sie nennt. Immer vier Krüge, die wie Menschen, Paviane, Schakale oder Falken aussehen, dicht an dicht, wie aus dem Felsgestein herausgearbeitet, auf kaum mehr als einem Quadratfuß Fläche.
Howard meint es seien die Eingeweide der Jünger,also Herzen,Magen Lungen und Nieren der Opfer.Auch entdeckt er Inschriften der Namen seiner verstorbenen Archäologenkollegen. Der Lord nimmt fünf Opfer pro Jahr an und kommt so auf eine unglaubliche Zahl entseelter Opfer in einem halben Jahrzehntausend. Mir wird Übel – es müssen zehntausende dieser Krüge sein, sie im Schacht vor uns zu zerstören ist wohl nicht zu schaffen.
Kazeem bindet sich nun ein Seil um die Hüfte und beginnt dieses Loch in den Abgrund vor uns am handbreiten Sims zu umwandern, während wir ihn mit dem anderen Ende des Seils sichern. So kommen wir nach und nach auf die andere Seite. Der Gang führt uns in eine etwa fünfzehn Meter durchmessende, kuppelartigen Höhle.Vom höchsten Punkt,keine acht Meter über uns, hängen Seile aus einem etwa zwei Meter durchmessenden Loch ins Zentrum dieser Höhle herab. Kaum sind wir alle in diesem Raum eingetreten, schwebt eine Kreatur, ein Kind zu uns herab. Der Lord hat sein „Sempedetravaqueritam-Gebrabbel“ eingestellt, dafür ist Howards „Thomas,mein Bruder-Gebrabbel“ nun endgültig zwanghaft geworden.Ich lege auf diese Kreatur an, sie kann nicht Howards vermisster Bruder sein – und doch Howards Wunsch, er sei sein verschollener Bruder, lässt ihn alle Vorsicht vergessen. Ich werde nicht zulassen das diese Thommy-Ding, mit den grausamen Augen Howard holt. Ich sehe nur nuch diese Kindkreatur mit den alten, grausamen Augen – und drücke ab. Der Lord ist wohl zeitgleich auf Howard zugesprungen, um ihn von dieser bösen Erscheinung fernzuhalten – ich erinnere mich an die Nacht des Unerklärlichen in der Altstadt Cairos, die Nacht des Al Mithal. Meine Ladung hätte auf fünf Meter etwas Lebendiges in Stücke gerissen, aber diese Kreatur wendet sich nur vom niedergerissenen Howard ab und mir zu, in einem erstickenden Schmerzensschrei falle ich krampfend in mich zusamen, die Flinte entgleitet meinen „schrumpfenden Händen ,Armen, Beinen“ – ich höre ein Wimmern und ich erkenne erst nach einiger Weile, sie stammen von mir.









