Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

Quest & Fonthill

September 29 1921 Thursday  Halton House

Nach einem kurzen Breakfast fahren wir mit drei Automobilen südwestlich nach Portsmouth. Mein Silver Ghost ruckelt kurz und Mare steuert ihn in den buschig verholzten roadside ditch. Der Lack auf der linken Motorblockseite ist zerkratzt…Well, not for the first time…

Ein Blick in den Motor deckt die Unfallursache schnell auf: Ein der 12 Zylinder ist aus der Halterung gesprungen, weil er locker war. Mare überprüft die vitalen Komponenten meines Fuhrparks regelmäßig und einen Fehler ihrerseits halte ich für unwahrscheinlich. Ein Anschlag auf mich???

Da ich in meinem Hampshire als Motor Carnarvon bekannt bin und meine Unfallhistorie legendär ist– Ich bin der erste Brite, der einen Rechtsanwalt nur für Automobilunfälle beschäftigt hält – ist schnell eine Garage gefunden, die erfreut ist, meinen Silver Ghost zu reparieren.

Wir müssen dennoch unsere Fahrt in den verbliebenen zwei Fahrzeugen fortsetzen…

In Portsmouth am Hafen angekommen, erfahren wir, dass die „Quest“, Major Shakeltons Schiff, am South Railway Jetty auf den militärisch abgesperrten Royal Deckyards liegt. Eine Sondergenehmigung zum Betreten wird benötigt, die uns ein Navy Officier dankenswerterweise besorgt.

Auf dem Pier herrscht rege Aktivität. Die Quest wird bereits für die Expedition beladen.

Shakelton ist schwer beschäftigt, jedoch hoch erfreut, uns an Bord seines Schiffes willkommen heißen zu können. Er eröffnet uns seinen Expeditionsplan: Von den Ross Inseln aus soll der Verbleib seiner Mannschaft geklärt werden. Wir werden die Route der Aurora-Mannschaft entlang der Depotkette zum Südpol verfolgen, die sie für die die Mannschaft der `Endurance´ anlegten. Die Mannschaft des zweiten Schiffes der misslungenen Expedition sollte von der anderen Seite der Antarktis der Aurora entgegenkommen und ab dem Südpol die Route angelegten Depots zurück zu den Ross Inseln nehmen, um so die erste Antarktisüberquerung dem Ruhm des britischen Empires zu widmen. Dazu ist es jedoch nicht gekommen: Beide Schiffe scheiterten. Die Endurance erlitt Schiffbruch und ihre Besatzung konnte sich auf die Elephant Islands retten, ist nie zum Südpol aufgebrochen…

Seine Erwartungen an uns treffen mich wie Hammerschläge:
Er will drei unserer Flugzeuge für Aufklärungsflüge mitnehmen, mit uns als Piloten.
Sanjuro soll der Captain der Quest werden, nachdem der designierte Kapitain Frank Wosley ermordet wurde.
Ich soll ihm mit meiner Bekanntheit und Reputation weitere Gelder beschaffen, was ich aus Diskretionsgründen sofort ablehne…

Mir schwirrt der Kopf. Shakleton stellt uns die wichtigsten Besatzungsmitglieder vor. Solide, erfahrene Männer. Mir schwirrt immer noch der Kopf, nur ein wenig härter und klarer…

Ich schaue meine Crew an. Ihnen geht es genauso…

Als uns der Major auf das Kabinendeck führt – „Suchen Sie sich eine Kabine aus!“ – knicken wir ein und ergeben uns Shakeltons unwiderstehlicher Energie…

Ich beanspruche Cabin No. 14,

sage meine Junkers F13a zu, ebenso wie der Colonel

Sanjuro nimmt den Posten als Captain an.
Der Rest meiner Crew ist spätestens jetzt auch mit dabei.

Unzählige Fragen unserseits prasseln auf Major Shakelton ein, die er uns sofort beantworten kann:

Jeder von uns darf 100kg privates Gepäck mitnehmen.

Ich schaue mich sofort in meiner Kabine um, wie viele Flaschen Gin ich an Bord schmuggeln und dort lagern kann. Auch in unseren Flugzeugen können wir unbemerkt noch weiteres Material lagern. Ich nicke und gebe mich mit einem Lächeln mit 100kg zufrieden…

An der Bugspitze der Quest ist das Schiff nur mit einer Harpune ausgerüstet. Ich bestehe auf weitere Bewaffnung, – „Major, Sie fahren ins Unbekannte und nehmen nur eine Harpune mit?? – die mir gewährt wird. Shakelton erlaubt uns, eigene Waffen mitzunehmen…

Ich frage nach der „weißen Wand“ von der die Überlebenden berichtet haben. Er kennt das Phänomen: Es sei ein Vorhang aus undurchdringlichen weißen Partikeln, die es unmöglich machen, auch nur irgendetwas vor den eigenen Augen zu erkennen, auch nicht, wenn es direkt vor ihnen ist…

Wir erhalten Einblick in die Schiffsladeliste, die die Expeditionsausrüstung beinhaltet, zur Prüfung. Wir dürfen und sollen sie ergänzen…

Wir bekommen noch die offizielle Bescheinigung als Expeditionsteilnehmer ausgestellt, die uns berechtigt, den Militärposten zu passieren und jederzeit Zugang zum South Railway Jetty und zur Quest zu erhalten.

Major Shakelton verabschiedet sich von uns, die Vorbereitung der Expedition fordert seine gesamte Aufmerksamkeit. Er verschwindet im Schiffsbauch im angestrengten Dialog mit seinem Lademeister…

Als wir die Royal Dockyards verlassen, fällt mein Blick auf das nicht weit entfernt im Trockendock gelagerte Flagschiff des Empires aus den Zeiten Admirals Nelsons. Die HMS Victory liegt dort, unberühert von Zeit und Verfall. Sie sieht auch nach den Jahrhunderten immer noch so aus, als wolle sie gleich aufbrechen. Aufbrechen in eine vergangene Welt, die immer noch so unerforscht und weit ist, wie sie es auch heute noch ist…

Ich schaue zurück auf das blau-orange Stahlmonster mit den hektischen Kränen über ihr, die wie ein Chor in meinem inneren Ohr „God Save The King“ anstimmen…

Stumm, aber bewegt, lasse ich mich zu unserem nächsten Zielort fahren:

6:30 pm Salisbury
Wir halten vor dem verschlossenem Anwesen von Beckford. Mycroft öffnet die Kette vor dem Tor und wir dringen auf das Gelände ein. Gleich dahinter erkennen wir sofort Reifenabdrücke eines Lorrys, noch ziemlich frisch, mit Fußspuren von 2-3 Personen. Ein Byakhee-Schrei reißt meine Blick in den Himmel, doch dort ist nichts. Meine Crew sieht und hört nichts. Ich scheine mich wohl getäuscht zu haben…

Es sind wohl Plünderer auf das Gelände gelangt. Sie haben sich einen Weg in die Vorhalle gegraben, dabei die Trümmer des eingestürzten Turmes weggeräumt. In der Vorhalle finden wir einen halb verschütteten Seesack. Er gehörte wohl Beckford, der sich auf die Antarktisexpedition vorbereitete: Wir finden Kleidung, ein leeres Tagebuch und einen seltsam geformten Metallgegenstand, den der Colonel einsteckt.

Beim weiteren genauen Hinschauen auf die Trümmer in der Vorhalle entdecken wir ein Gemälde, rahmenlos zerschlissen, welches, erst einmal gerettet, Virgil & Dante vor dem Hölleneingang zeigt, ein Werk von William Blake.

Wir wollen weiter in das zerstörte und geplünderte Gebäude eindringen, doch bei dem Versuch in die Bibliothek zu klettern, rutsche ich auf dem Debris weg und stürze rückwärts wieder hinab. Den anderen ergeht es nicht viel besser.

Einzig Mycroft schafft es als einziger keuchend und reicht uns seine dort erbeuteten Fundstücke durch die kleine Öffnung zur Bibliothekswand heraus:

Das erste Gemälde zeigt vermutlich Beckford in jungen Jahren.
Das zweite Gemälde zeigt wohl wie er sich sein Folly vorgestellt hat.

und ein im Format riesiges, feuchtes Buch mit dem Titel: Quintum Elementum

Mycroft ist ob seiner Funde verständlicherweise auf allen Ebenen erregt und will alle diese Artefacte restaurieren lassen.

Zum Glück für uns alle sind nun unsere Energien erschöpft. Wir verstauen die Fundstücke und kehren nach Hause zurück

9pm Halton House London
Uns wird ein Late Dinner serviert

Trockene Rinderzungen auf Basilikum-Minz-Bett nebst frittierten französischen Kartoffelstangen in raffinierter Kombination mit leicht geingwert und gezuckerten Prinzessbohnenstangen auf einem Dill-Quark-Bett…

Im Salon besprechen wir konkreter die Vorgehensweise mit der magisch versiegelten Dokumentenmappe: Heute Nacht werden wir versuchen ins Traumlande zu gelangen – allerdings ohne die Mappe; sie könnte , falls der Inhalt nicht magisch ist, getrennt vom Siegel, in der Realwelt verbleiben und hier eventuell unerwartet unangenehme Effekte auslösen. Vom Siegel soll in der Traumwelt eine Gedächtniskopie gezeichnet werden, um sie den Gelehrten in der Bibliothek von Ulthar zu zeigen. Der metallene Gegenstand von Beckford, von uns mit dem Arbeitstitel „Citrone“ bedacht, wird jedoch mitgenommen. Sollte er es in die Traumlande schaffen, wissen wir, dass er magisch ist…and vice versa…

Ich nehme die Dokumentenmappe in die Hände und schaue sie mit geschlossenen Augen an…
Fast sofort spüre ich deutlich astrale Energie strömen. Auch einige meiner Freunde können den Energiefluss wahrnehmen…

Wir wenden uns der Ausrüstungsliste der Expedition zu, die Shakelton uns zur Ergänzung mitgab. Sie wird heiß diskutiert, bis zur raschen mentalen Erschöpfung nach diesem langen Tag.
Und es wartet noch das Traumlande auf uns…