ダルトモルに夜 (Darutomoru ni yoru) – Eine Nacht im Dartmore
Während der Fahrt dämmere ich ein, bis der Silverghost abrupt zum Halten kommt. Mycroft hat einen Auffahrunfall verursacht und das Automobil in das Heck des Silverghosts des Lords befördert. Ich stoße mir heftig den Kopf und fluche in meiner Muttersprache vor mich hin. Was ist denn jetzt schon wieder passiert?
Wir steigen aus. Ein dichter Nebel zieht auf. Mare hat ein Pony, das die Straße hatte überqueren wollen, überfahren.
„Warum hast du nicht gebremst?“, fragt sie Mycroft.
„Da war ein Mann und ein Hund mit einem rot leuchtenden Auge“, erklärt sich Mycroft, „du hast den doch bestimmt auch gesehen?“, fragt er an mich gewandt.
„Nein“, entgegne ich und hebe verzeihend die Hände.
Ich habe schlechte Laune. Mein Bein schmerzt, die Straße ist durch ein sterbendes Pferd blockiert und dass wir mit den Automobilen noch weiter fahren können, ist äußerst unwahrscheinlich. Tolle Aussichten…
Mycroft will den Mann und den Hund mit dem roten Auge ausfindig machen und klettert über eine Steinmauer, dort, wo er glaubt, die Gestalten gesehen zu haben. Ein seltsames Lachen ertönt, doch den Mann und seinen Hund kann Mycroft nicht entdecken. Schulterzuckend kehrt er zu uns zurück.
Mare hat derweil das Pony untersucht. Das Tier lebt zwar noch, doch der Aufprall hat schwere innere Verletzungen verursacht. Mycroft erbarmt sich und erlöst das Tier von seinem Leid. Wieder ertönt das seltsame Lachen.
Die Automobile sind beide schwer beschädigt. Wir brauchen eine Werkstatt und Ersatzteile, um sie wieder zum Laufen zu bringen. Mare versucht ihr Bestes, wenigstens einen der Silverghosts wieder fahrtüchtig zu machen und benutzt dafür den anderen als Ersatzteillager, doch vergeblich. Die nächste Ortschaft ist 15 Kilometer entfernt. So weit kann ich mit meinem verletzten Bein nicht laufen. Zudem wird es auch langsam kalt und sehr ungemütlich. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und zu Hause bleiben sollen…
Meine Freunde mühen sich vergeblich ab, das tote Pony unter dem Silverghost hervor zu ziehen, doch es will ihnen einfach nicht gelingen. Ich schlage vor, das Tier zu zerteilen, um es dann aus dem Weg zu räumen. Meine Freunde sind einverstanden. Trotz meiner Schmerzen gelingt es mir, einen einigermaßen stabilen Stand zu erreichen. Eigentlich ist es eine Schande, ein totes Tier mit einem Schwert zu zerlegen, doch ob Ermangelung eines passenderen Werkzeugs und ob meiner immer noch nicht besseren Gemütsverfassung nehme ich diese Schmach in Kauf. Ich teile das Pony in drei Teile, die meine Freunde dann von der Straße schaffen.
Durch den Nebel bewegt sich ein rotes Licht auf uns zu. Jemand ruft: „Mein Pferd!“ Es wird immer unheimlicher. „Ihr habt mein Pferd getötet!“
Das Licht wird schwächer.
„Es tut uns leid“, flüstert Carla in die Nacht hinein.
„Dann passen Sie doch einfach besser auf Ihr Pferd auf!“, ruft Mycroft in den Nebel. Das Licht verschwindet nun ganz.
Unweit unseres Standortes gibt es eine Ausbuchtung in der Straße, in der die beiden Automobile gut Platz finden dürften. Mit vereinten Kräften werden die Fahrzeuge in die Parkbucht geschoben, um die Straße frei zu halten und weitere Unfälle zu verhindern. Mycroft und Mare wollen in einem nahen Wäldchen Totholz für ein Lagerfeuer sammeln. Nach einer Weile fallen Schüsse aus der Richtung, in die Mycroft und Mare gegangen sind. Alarmiert springe ich auf, um gleich wieder zusammen zu sacken. Der Schmerz in meinem Bein übermannt mich. Ich fluche, nicht so sehr wegen der Schmerzen, sondern vielmehr, weil ich ob dieser nicht Herr über meinen Körper sein kann.
Auf der Wiese vor uns ist das Blöcken einer Schafherde zu hören. Ich bin mir sicher, das ich bis gerade eben keine Anzeichen von Schafen wahrgenommen habe. Über die Wiese schweben rot leuchtende Punkte. Sie sehen aus, wie Glühwürmchen, aber von roten Glühwürmchen habe ich noch nie etwas gehört und außerdem ist es noch etwas zu früh für diese Tiere. Mare und Mycroft kommen mit leeren Händen zurück. Sie berichten, dass sie dem Mann und seinem Hund begegnet und von ihnen angegriffen worden seien.
Wir beschließen, auf den Morgen zu warten und Nachtwachen aufzustellen, doch bis zur Dämmerung bleibt es ruhig.









