犯人追跡 (Hannin Tsuiseki) – Verbrecherjagd
…und erwache in meinem Bett. Das Kagedōjō ist ruhig, doch ich bin innerlich völlig aufgewühlt. Meine Freunde sind in Gefahr! Hastig werfe ich mir eine Yukata über und stürze die Treppe hinunter, aus dem Haus heraus zu meinem Silverghost. Ich gebe Vollgas und ramme beim Zurücksetzen einen Pfeiler. Fluchend steige ich aus und überprüfe den Schaden. Der Kotflügel ist eingebeult, aber das Auto ist noch fahrbereit. Ich fahre nun etwas besonnener, dennoch zügig, nach Halton House. Dort treffe ich meine Freunde im Salon. Sie geben ein trauriges Bild ab, sind über und über mit violettem Blut besudelt, jedoch scheinen sie gesund und abgesehen von geistiger Umnachtung weitgehend unversehrt. Die Flugwesen, der Lord nennt sie Dunkeldürren, sind meinen Freunden in die Wachwelt gefolgt. Um ein Haar hätte eines von ihnen den Lord entführt, den vermutlich das gleiche Schicksal erwartet hätte, wie den armen Nachtwächter aus dem Museum, dessen Leiche man unweit der Themse gefunden hatte. Nur Cyrils heroischem Einsatz war es zu verdanken, dass dies verhindert werden konnte.
Wir überlegen, wie wir jetzt weiter vorgehen. Scotland Yard über unseren Fund in Ustors Büro informieren oder uns auf eigene Faust auf den Weg machen? Wir entscheiden uns für letzteres. Wir haben es hier mit Magiekundigen zu tun und es wäre grob fahrlässig, die Kriminalpolizei unvorbereitet in ein solches Szenario zu schicken.
Wir machen uns also auf den Weg – mit zwei Automobilen. Meinen Silverghost lasse ich stehen. Ich fahre zusammen mit Mare und Henry bei Cyril mit. Der Lord, Carla und Dr. Nidelven nehmen einen zweiten Wagen. In der Wohnung zwei Stockwerke oberhalb des Ladens „Parsons & Son“ an der Shaftesbury Avenue Ecke Dean Street, wo Theodor Ustor laut der Personalakte des British Museum Domizil bezogen haben soll, brennt Licht.
Cyril steigt aus und geht um das Haus herum. Ich gebe ihm Rückendeckung. Cyril ist dabei etwas unvorsichtig und stößt lautstark gegen eine umherliegende Konservendose. Unmittelbar nach dem dadurch verursachten Scheppern erlischt das Licht im zweiten Stock. Wir müssen damit rechnen, erwartet zu werden.
Auch Mare und Henry folgen nun. Wir stehen vor der Haustür und überprüfen des Klingelschild. Der Name „Ustor“ steht an einer Wohnung im zweiten Stock. Wir versuchen zunächst das Schloss der Haustür leise und unauffällig zu öffnen, doch Mycroft und seine Lockpicking-Talente fehlen. Cyril versucht nun die Tür gewaltsam zu öffnen, indem er sich mit seiner Schulter dagegen wirft. Die Tür gibt etwas nach, doch es reicht nicht. Erst, als er Unterstützung durch Henry und Mare erfährt, bricht die Tür endgültig aus dem Rahmen.
Wir stürmen in den zweiten Stock. Die Wohnungstür ist verschlossen, aber nicht abgeschlossen. Das Treppenhaus ist zu schmal, um uns allen ausreichend Deckung zu geben. Als wir die Tür öffnen, fallen Schüsse. Eine Kugel erwischt mich am Bein. Ich ignoriere den Schmerz, nutze stattdessen die Kraft meiner Göttin, um mich der Sicht unserer Widersacher zu entziehen. Henry stürmt an mir vorbei auf den Mann, der geschossen hat, zu. „Lasst mich mit dem allein!“, ruft er. Ich bin erstaunt über das Verhalten des Professor für Linguistik auf einmal an den Tag legt. Dr. Jones zeigt einen Kampfgeist und eine Kampfeslust, die ich bislang noch nicht bezeugen durfte.
Cyril stürmt eine Tür weiter. Dort hat sich gerade etwas geregt. Mare öffnet die Tür zur linken direkt neben der Eingangstür. Dahinter verbirgt sich ein weiterer Anhänger des Kultes, den Ustor mutmaßlich anführt. Er stürmt mit seinem Säbel auf Mare zu, doch bevor er sein Ziel erreicht, trifft ihn mein Katana und teilt ihn mit einem sauberen Kesagiri diagonal in zwei Hälften. Ich halte mich nicht lange auf, mein Werk zu bewundern, sondern eile weiter den Flur entlang. Der Mann, der auf mich geschossen hat, liegt leblos auf dem Boden. Zu meiner Rechten registriere ich Cyril, Mare und Henry in einem Sumo-Kampf mit einem weiteren Kult-Anhänger. „Was macht ihr da?“, frage ich verwirrt und lasse meine Unsichtbarkeit fallen. Ich warte nicht auf eine Antwort, sondern eile weiter voraus.
Der Lord, Carla und Dr. Nidelven sind mittlerweile durch den Hintereingang über den Dienstbotenaufgang in die Wohnung gelangt. Sie sind in Bedrängnis. Ein seltsames, kleinen und grauhäutiges Wesen traktiert sie mit einer Waffe, mit der es elektrische Ladungen abfeuert. Schnell beende ich das Szenario indem ich das Wesen zunächst seiner Schusshand entledige, dann seines Lebens.
Am Ende der Wohnung befindet sich eine weitere Tür. Dahinter finden wir einen kleinen, hässlichen Mann. Der Beschreibung nach ist es wohl Theodor Ustor. Dr. Nidelven schießt, Carla schießt, doch beide verfehlen. Auch das Wurfmesser des Lords findet sein Ziel nicht. Es muss erst ein Profi auf den Plan treten, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Nie werde ich den entsetzen Blick Theodor Ustors vergessen, als mein Schwert seinen Leib mit einem entschlossen geführten Shomen trifft und ihn vom Schädel abwärts bis hinab zu seinem Unterleib fast anmutig zerschneidet. Selten habe ich es so sehr genossen, einen Menschen zu töten. Wenn dieser Typ nicht so ausgesprochen hässlich und unappetitlich wäre, würde ich gerne sein Fleisch kosten…
Ich erschrecke vor mir selbst. Habe ich das wirklich gerade gedacht?
Cyril, Mare und Henry schließen zu uns auf. Sie haben ihren Gegner im Ringkampf besiegt, jedoch war kein Wort aus ihm herauszukriegen, also haben sie sich seiner auch kurzerhand entledigt. Gemeinsam durchsuchen wir die Wohnung und finden die Überreste eines Tagebuches.Offenbar stand er im Dienst der Hexe, der wir das Buch Eibon entwendet hatten. Durch sie hatte er gelernt, die Traumlande zu bereisen. Dieses Privileg verwehrte sie ihm nun. Erst, wenn er das Buch zurückbrächte, würde sie ihn wieder anhören.
Die Schnipsel weisen auch darauf hin, dass Ustor als Agent der Thule-Gesellschaft agiert hat. Er sollte im Name der Ziege, Shub-Nigurath, Unruhe und Angst in London stiften. Auch anderen unserer „Bekannten“ ist er begegnet. Er schreibt von Sir Crichton und von Evelyn Bancroft die ihn besonders vor dem Lord und vor mir „ein Japaner mit beachtlichen Fähigkeiten“ zu warnen versuchte. Vermutlich ist es nicht mein Schwert, das sie fürchten. Auch findet sich ein Hinweis auf einen gewissen Charles Upperton, einen seiner Jünger, der mit zweien von Carlas Pergamenten fortgeschickt wurde, um sie einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Das wird wohl die nächste Spur sein, der wir folgen sollten, doch zunächst kehren wir zurück nach Halton House. Ich beziehe für den Rest der Nacht in einem der Gästezimmer Quartier. Nach diesen aufregenden Ereignissen fühle ich mich in der Nähe von freundlichen Menschen einfach wohler und sicherer.









