Amaterasu und Susanō
Amaterasu und Tsukiyomi waren zufrieden mit ihren Aufgaben, die sie von ihrem erlauchten Vater bekommen hatten. Nur Susanō wurde immer griesgrämiger und führte seine ihm übertragenen Aufgaben nicht aus. Die grünen Berge verdorrten und die Flüsse und Berge begannen auszutrocknen. Da wurde es Izanagi zu viel und er stellte Susanō zur Rede. „Wie kommt es, dass du das dir anvertraute Reich nicht regierst, sondern statt dessen heulst und dich ungebärdig benimmst?“
Susanō antwortete und sprach: „Ich heule, weil ich den Wunsch habe, mich in das Land der verstorbenen Mutter, in das untere entlegene Land zu begeben.“
Da wurde die Große erlauchte Gottheit sehr zornig und rief: „Wenn das so ist, dann sollst du nicht weiterhin in diesem dir anvertrauten Lande wohnen!“ und er verbannten ihn.
Bevor Susanō den Himmel verließ bat er darum noch einmal seine Schwester Amaterasu aufsuchen zu dürfen. Diese aber war misstrauisch gegenüber ihren ungestümen Bruder und empfing ihn mit einem Bogen in der Hand. Susanō versuchte sie zu beschwichtigen. Amaterasu forderte jedoch einen Beweis für seine guten Absichten. Da schlug Susanō ihr vor, einen Eid zu schwören. Als Beweis sollte die Geburt von männlichen Kindern gelten.
Beide sprachen einen göttlichen Eid und tauschten die Insignien ihrer Macht. Amaterasu nahm das Schwert von Susanō und er erhielt ihre Perlenkette. Daraufhin zerbrach sie das Schwert in drei Stücke, kaute es und spuckte es anschließend wieder aus. Aus ihrer Spucke entstanden drei weibliche Göttinnen. Susanō tat das gleiche mit dem Geschmeide. Dabei entstanden fünf männliche Götter. Da er so seine Unschuld bewiesen hatte, durfte er im Himmel bleiben.
Susanō konnte in seinem Triumph seine Ungestürmtheit jedoch nicht bändigen verwüstete die himmlischen Reisfelder und schüttete die Bewässerungsgräben zu. Als Höhepunkt seiner Missetaten häutete er ein Fohlen und ließ es durch das Dach der heiligen Webhalle hinab. Bei diesem Anblick erschreckte sich eines der Mädchen an den Webstühlen so sehr, dass sie starb. Darüber war die Sonnengöttin so erzürnt, dass sie sich in eine himmlische Höhle einschloss. Finsternis senkte sich über den Himmel und die Erde. Niemand konnte Amaterasu bewegen, die Höhle zu verlassen.
Die Götter schmiedeten einen Plan, sie stellten vor ihrer Höhle einen, mit Juwelen geschmückten, Spiegel auf. Dann baten sie die Göttin Ame-no-uzume, auf einem umgekippten Eimer zu tanzen.
Diese geriet dabei so in Ekstase, dass sie alle ihre Kleider von sich warf. Die Götter lachten darüber und klatschten wild in den Händen, so dass der ganze Himmel bebte.
Neugierig schaute Amaterasu aus der Höhle und ihr Blick fiel auf den Spiegel. Dieser leuchtete durch ihre glänzende Schönheit auf und so kehrte das Licht auf die Welt zurück.
Susanō jedoch wurde nun endgültig aus dem Himmel verstoßen.










