* Paktbruch vor Carcosa
Erwachen. Langsam. Es ist heiss. Malvefarbenes Licht dringt in meine Augen. Benommen setze ich mich auf & schaue mich mühevoll um & an. Ich fühle mich … fremdartig gut. Ein Flattern erregt meine Aufmerksamkeit. Eine Stimme, vertraut & verführerisch – ich blicke kurz auf & sehe
„Mycroft, mein Sieger endlich habt Ihr Eure Queste erfüllt. Nun lasst uns die Belohnung empfangen, nehmt meine Hand, kommt mit mir. Lass uns zum Altar schreiten & vermählen.“posaunt sie lautstark durch die Wüste.
Sie deutet in die nahegelegende Stadt Carcosa. Mir dämmert alles wieder. Das Buch mit dem gelben Zeichen liegt neben mir im Sand der Oreg-Na. Das verfluchte Symbol macht mir keinerlei Angst mehr, sondern weckt angenehme, vertraute Gefühle. Auch die Wüste erscheint mir nun angenehm. Mir wird klarer, dies ist nun meine Heimat.
Wut, Verwirrung. Weitere Fetzen von Erinnerungen… die Bibliothek von Babel!
Sanjuro!
Ich höre ein Rascheln & der Byakhee landet abrupt an meiner Flanke.
„Na los, was zögerst Du?“ hallt eine Stimme in meinem Kopf.
Ich taste mich ab, ich bin ganz & gar gleicher Gestalt.
„Nun? Kommt mit! Zeit werdet Ihr in Bälde unendlich haben. Steht auf!“ herrscht mich Cassilda an.
Langsam kommt mein Verstand zurück & ich erhebe mich, klopfe mir Sand von meiner Uniform.
„Eine sehr passende Kleiderwahl, wenn ich das bemerken darf“ säuselt Sie mir ins Ohr
„Ihr werdet erstaunt sein, wieviel Freuden & Aufgaben auf Euch warten!“
Mit einem schiefen Blick schraube ich meine Feldflasche auf & betrachte die drei Sonnen.
„Was ist los?“ faucht Sie nun.
„Los, heirate Sie, los! Nun mach schon!“ Der Byakhee scharrt unruhig & verärgert im Sand.
„Moment! Bei uns zuhause gibt es Sitten, ich werde erst geküßt, bevor ich gebumst werde! Und überhaupt, was erwartet mich? Und am allerwichtigsten, was ist mit meinem Freund, Sanjuro?“
„Ich weiß nichts von einem Sanjuro, kommt mit an dem Hof, er wartet bereits. Dort werdet Ihr mehr erfahren.“
„Was passiert, wenn ich mich mit Euch verbinde?“
„Ihr heiratet mich, werdet endlich glücklich & ein freier Mann, für alle Ewigkeiten!“
„Und?“
„Ihr seit dann ein Teil von Hastur. Für immer!“
Unendlichkeit. Ewigkeit. Das habe ich gerade erfahren, ich war die Unendlichkeit. Diese Erinnerung lässt mich innehalten. Auch in der Bibliothek zu Babel herrscht diese Kraft.
„Meine erste Sorge gilt Sanjuro. Ich fliege nun erstmal zu ihm & bringe ihn zur Erde!“
„Ihr wollt von hier türmen & in einer unendlichen Bibliothek euren … Freund suchen? Meint Ihr das kann erfolgreich sein? Ich glaube das gelingt Euch nicht.“
Fast dankbar für diesen Rat verfalle ich erneut in Grübeleien. Eine echt verzwickte Situation. Doch der Gedanke an Sanjuro schmerzt mich.
„Ihr könnt nichts für Euren Freund tuen. Ihr seid allein, wie auch er! Er muß allein seinen Weg finden, wie auch Ihr!“ Sie deutet auf die Stadt, wo ich die Pyramide bereits ausmachen kann.
„Nun kommt, ich warte nicht länger. Folgt mir!“ Mit diesen Worten gleitet Sie langsam & elegant hinfort, hin zum gelben Thron.
Ich zögere. Heirat oder Flucht?
Flucht!
„Nein, nein, nein. Hier ist Schluß mit diesem miesen, zweitklassigen Theaterstück!“
Ich greife nach dem Buch, doch ein heftiger Schmerz durchfährt meine Hand & ich lasse es los. Verflucht. Es scheint dunkler zu werden.
„Er ist nicht mehr Euer König! Also könnt Ihr das Buch auch nicht nutzen! Ihr seid ein Verräter“
„So ein Quatsch! Ich habe keinerlei Versprechen abgegeben zu heiraten, lediglich meinen Namen in das Sandbuch zu schreiben, war meine Aufgabe!“ schreie ich das interstellare Flugwesen an. Es scheint beeindruckt.
„Bring mich in die Bibliothek zu Sanjuro!“
„Das kann und werde ich nicht tuen!“
„Bringt mich zur Erde! Highclere Castle, Beacon Hill!“ befehle ich mit der gelben Flöte in der Hand. Doch die Körperhaltung ist eher die einer sprungbereite Katze.
„Verräter! Ich werde euer Anliegen vortragen. Geduldet Euch, Abschaum!“
Allein warte ich auf igendetwas. Werde ich sterben? Die Zeit vergeht & endlich landet das Wesen vor mir.
„Nun gut. Weil Ihr eure Aufgabe erfüllt habt, erhaltet Ihr diesen letzten Dienst. Danach ist der Pakt gebrochen!“
Überrascht willige ich ein. Würgend trinke ich den Weltraumet & steige auf zu den Sternen. Ein letztes Mal geniesse ich die Aussicht, doch zu schnell erreichen wir den blauen Planeten & landen im Gras auf der kleinen, flachen Hügeltop, Beacon Hill.
Ein Tentakel greift nach mir, ich ein feindseliges Blitzen in Facettenaugen, springe sofort von dem Wesen ab. Mit mehreren Vorwärtsrollen rase ich weg, das Wesen hinter mir her! „Stirbt, DU VERRÄTER!“
„Verräter!“ Beide Pistolen bekomme ich zu fassen, schieße mehrfach aus beiden Läufen, doch das Wesen beharrt. Highclere Castle kommt in Sichtweite. Ich rufe Warnungen & schieße weiter. Mehrfach schlage ich Haken & erreiche das Anwesen. Angestellte, die unfreiwillig Zeuge dieser Szene werden, werfen alles weg & rennen ins Innere. Den ankommenden Soldaten befehle ich zu schießen & hüpfe durch ein offenes Fenster hinein, rolle mich ab, kauere schußbereit hinter einem umgekippten Tisch. Ich höre Schüsse, Geschrei. Der Byakhee zerquetscht einen Soldaten & läuft die Wand hinauf.
Ich eile nach draußen, ich brauche kräftigere Bewaffnung. Den erstaunten Lord grüße ich nur kurz, der recht verdattert mir nachschaut, doch befürchte Schlimmstes. Als ich endlich mit meiner Police Special Gun ins Freie gelange, ist der Byakhee bereits entschwunden über das Dach. Hektisch suche ich mit einigen Männern die Gegend ab, bis ich mir sicher bin, die Gefahr vorerst gebannt zu haben.
Der Lord steht fassungslos vor der platten Soldatenleiche, ein grotekser Anblick, der nur mit reichlich Gin zu vertragen ist. Mit einem kurzen Handshake & festen Augenkontakt begrüßen wir uns. „Tja, das war alles so nicht geplant“ Seine Lordschaft trägt die chaotische Situation mit Fassung.
Zunächst überlegt der Lord erneut, eine Vertuschung vorzunehmen, doch auf meinen Rat hin rufen wir dieselben Polizisten wie beim letzten Problemfall. Den sichtlich überforderten Beamten erkläre ich, von einem riesigen Stier gejagt worden zu sein, der eine schwarz, violette Decke trug. Trotz besseren Wissens notieren Sie die erfundenen Details & begutachten den Tatort.
Am Abend, shortly after eight, stoßen meine adliger Freund & ich auf meine Rückkehr an. Ich bitte um das Ältere Zeichen. Es schmerzt nicht mehr.Auf Nachfrage schenkt mir der Lord sein Exemplar, ich bin dafür dankbarer als für die Martinsyde!
„Jetzt bin ich wieder zuhause!“ Tränen weichen meine Bandagen auf, der Lord klopft mir die Schultern.
Beim Thema Sanjuro wissen wir beide nicht weiter.
„Wir werden einen Weg finden, wie wir immer einen Weg finden.“ Mehrere Gläser später ziehe ich mich zurück auf mein Zimmer, das gleich neben der Wachstube & der Waffenkammer liegt. Lange & ausgiebig begrüße ich meinen Tamino & lege mich zur Ruhe.
Meinen letzten Gedanke gelten meinem japanischen Freund… werde ich ihn jemals wiedersehen?















