* Verrat & Verhandlung
Nach dem erneuten Studium der aktuellen Zeitung entschließen wir uns, mit dem Zug nach Nagasaki zu fahren. Die Zugfahrt gestaltet sich angenehm. Um 17 Uhr werden wir von Iwasaki Koyata, dem Geschäftsführer von Mitsubishi, empfangen. Allerdings muß ich nach einer kurzen formellen Begrüßung in der Vorhalle warten. Nach einer Stunde kehrt Sanjuro bedrückt zu mir zurück.
Worteringend flüstert er kraftlos…
„Ich muß Dir etwas sagen – ich muss dich um etwas bitten, um das ich dich nicht bitten möchte“
Mir schwant Böses… was ist hier los?
„Er will deine Maschine“
„NEIN! Nein, auf keinen Fall“ entfährt es mir wild & wütend.
„Er will sie lediglich auseinandernehmen & untersuchen“
„Lediglich? Hat er nicht genug eigene?“
Meine Gedanken rasen & verarbeiten die neuen Fakten präzise zu einem neuen Bild von Japan. Ah, dieser Konzern will in die Luftfahrt einsteigen. Sanjuro versucht schwach diesen Kulturkonflikt zu erklären.
Wir stecken in der Klemme! Denn sein „Freund“ hat ihm angedeutet, ein Landesverräter zu sein. Zudem haben wir im Falle einer Verneinung ein Ausreiseproblem, wahrscheinlich wird die Maschine beschlagnahmt, was ich nicht hinnehmen könnte.
Im Grunde könnten wir uns sofort den Weg freischießen…Sanjuro scheint von der Dramatik hier auch überrascht & überfordert zugleich zu sein.
Mein linke Hand wandert zur Flöte, doch ich zucke zurück. „Nicht wieder übertreiben, Mycroft, das ist nur der Stress. Es muß einen leichteren Weg geben…“ denke ich. Sanjuro ist fix & foxy wie ein kleiner Junge. Er stottert flüsternd widersprüchliche Gedankengänge in den Raum, doch ich fasse den Entschluß, ihn da zu einer Entscheidung zu kommen, die nur dramatisch ausgehen kann.
Er ist einfach zu unschuldig für diese Welt. Iwasaki Koyata ist lange nicht mehr meines Freundes Freund & ich bin unvorbereitet in dieses Treffen gegangen.
„Ich bin aus der Form gekommen, stelle ich kalt fest. Ich wende mich an meinen verzweifelten Freund. „Ich steige mit in die Verhandlungen ein. Ohne mich läuft da nichts!“
„Vielleicht können wir dem irgendwann etwas Gutes abgewinnen, einen ‚Freund‘ in höheren Position zu haben, der uns etwas schuldet. Wir sind da in einer echt unangenehmen Situation gelandet. Ich muß bei meiner Maschine bleiben, damit die keinen Unfug treiben.
Ich behalte mir vor, den Gefallen für mich einzufordern. Die Maschine hat er eh schon, die kriege ich nicht mehr, wenn wir nicht mitspielen.“
Der Situation vollkommend ausgeliefert willigt Sanjuro ein, obgleich es nicht den Riten hier entspricht, mit einem Gaijin auf Augenhöhe zu verhandeln, jedenfalls nicht auf japanischen Boden.
Iwasaki Koyata begrüßt mich höflich & gewährt mir, an den Verhandlungen teilzunehmen. Zunächst klären wir die Details, was genau er tuen möchte. Mir wird innerlich schlecht, denn sie wollen meine Maschine nachbauen. Doch welche Wahl habe ich? Schließlich willige ich ein, im Sinne der Vernunft. Ich fordere Verbesserungsvorschläge, auch zukünftigen Wissensaustausch & eine grundlegende Wartung in meiner Anwesenheit. Meinen Ton gefällt ihm nicht, das sehe ich. Sie wollen nur 2 Tage das Flugzeug inspizieren. Machtlos ergebe ich mich einem bad deal…
Allein meine Waffen an Bord der Maschine verstoßen gegen soviele Gesetze, daß Kriegsgefangenschaft durchaus im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Meine unmögliche Erscheinung läßt alle Verhandlungen zum Scheitern verurteilen. Die Flöte einzusetzen ist ein hoher Preis. Damit würde ich ein weiteren Spatenstich für mein gelbes Grab ausheben…
Die Hotelzimmer werden uns gestellt & wir legen sofort los. Die nächsten 2 Tage verbringe ich in der Werkstatt, die Techniker zerlegt vorsichtig & fachgerecht alle Teile, putzen & pflegen es sorgsam. Abends falle ich erschöpft ins Bett.









