Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

前晩 (Zenban) – Vorabend

Wir treten heute unsere Reise nach Paris an. Bevor wir mit dem Auto nach Lyon fahren, um von dort aus mit der Martinsyde weiter nach Paris zu fliegen, macht Senchō noch einen kleinen Rundgang durch den Garten. Nach einer Weile kommt er zurück. “Lord, ich habe eine Depeche für Euch”, sagt er und überreicht dem Lord einen kleinen Zettel, der mit roter Farbe, vermutlich Lippenstift, markiert wurde. Es ist eine Nachricht von Carla-san. Sie ist also noch am Leben.
“Wie hast du das gefunden?”, fragt der Lord.
“Es ging in der Rosenhecke. Ich dachte im ersten Moment, es sei eine Blüte, aber um diese Jahreszeit?”
Wir können jetzt nicht lösen, wie die Nachricht es von dort, wo unsere Freunde gefangen gehalten werden, zu uns gelangt sind, aber dieses kleine Zeichen gibt uns Hoffnung.

Unsere Reise nach Paris verläuft ohne Zwischenfälle. Am Nachmittag landen wir auf dem Aerodrom Le Bouquet. Die Hotels in der unmittelbaren Umgebung des Flugfeldes sind ob des bevorstehenden Großereignisses restlos ausgebucht. Im Hotel Le Grand in der Pariser Innenstadt soll es noch freie Zimmer geben.

Wir lassen es uns zum Hotel fahren. Auf dem Weg fällt uns ein interessantes Etablissement auf. Es ist vermutlich ein Nachtclub. Der Eingang ist wie das Maul eines uralten Dämons gestaltet. Auch Mycroft zeigt Interesse an der Einrichtung.

Im Hotel gibt es noch Einzelzimmer in Luxusausstattung und die Grand Etagé im obersten Stockwerk. Hier hätten auch schon große Staatsmänner verschiedener Nationen residiert, heißt es. Mycroft lässt es sich nicht nehmen, uns auf die Luxusetage unter dem Dach einzuladen. Man hat es ja… Hoffentlich fällt ihm diese Verschwendungssucht nicht eines Tages auf die Füße.

Nachdem wir unsere Suite bezogen haben, begeben wir uns gemeinsam an die Bar. Sie ist gut besucht. Zur Feier der bevorstehenden Veranstaltung, die die ganze Stadt in Aufregung versetzt, hat sich einer der Gäste, ein gewisser Hugo Esslin, ein deutschstämmiger Amerikaner, zu einer Saalrunde hinreißen lassen. Er mixt einen bläulich schimmernden Drink aus Gin, Veilchenlikör, Maraschinolikör und Zitronensaft, eine eigener Rezeptur, der er den Namen “Aviation Cocktail” gegeben hat. Wie er auf diesen Cocktail gekommen sei, möchte Senchō wissen. Esslin erklärt, dass ihn die Farbe des Himmels dazu inspiriert habe.

Senchō macht uns auf ein Bild aufmerksam, dass er entdeckt hat. Es ist ein kubistisch wirkendes Schwarzweiß-Gemälde mit dem Titel “Die Straßen von Paris”. Die Darstellung der Stockwerke der Häuser erinnert mich an übereinander gestapelte Kästen. Eine Signatur auf dem Bild lässt sich als der Name Lyonel Feininger entziffern. Ob das ein bedeutender Künstler ist, kann von uns niemand wirklich einschätzen.