不明の令嬢 (Yukue fumei no Reijō) – Die verschwundene Tochter
Unser Flug von Ägypten nach England verläuft ohne nennenswerte Vorkommnisse. Gegen vier Uhr am Nachmittag landen wir in Croydon. Mycroft schlägt vor, direkt nach Halton House zu fahren, wo der Lord und die anderen unserer Ankunft harren.
Senchō empfängt mich mit einem seiner derben Witze, welchen ich mit einem müden Lächeln quittiere.
“Ich hab dich auch vermisst, Senchō”, erwidere ich und schließe ihn freundschaftlich in die Arme. Ich frage ihn, wie die Dinge auf Curdridge Hill ständen. Gestern habe er mit Miss Myers telefoniert, berichtet Sechō. Der Ort sei eingeschneit und Amanda warte darauf, dass die vor einer Woche bestellte Kohlenlieferung endlich ankam.
Der Lord wirkt besorgt. Das ist an sich nichts Besonderes, er hat genug Grund, sich Sorgen über verschiedenste Dinge zu machen, doch dieses Mal wirkt er ernsthaft getroffen und viel verletzlicher als sonst. Etwas sehr persönliches bewegt ihn.
Es geht um Lady Evelyn. Des Lords Tochter hat sich auf eine Reise nach Frankreich begeben und ist dort, wie der Lord kurz vor unserer Ankunft erfahren hatte, einfach so spurlos verschwunden. Er ist verständlicherweise sehr aufgeregt, am liebsten möchte er, das Mycroft sofort das Flugzeug wieder klarmacht und dass sie heute noch nach Frankreich aufbrechen, doch Mycroft gelingt es, den Lord etwas zu beruhigen und ihn davon zu überzeugen, wenigstens die Nacht verstreichen zu lassen.
Die Damen unserer Runde, Carla-san, Mari-chan und Mare, treffe ich im Salon an. Auch sie sind bestürzt ob des unbekannten Verbleibs und Schicksals von Lady Evelyn. Nur Henri-san kann nirgendwo entdecken. Ist er etwa auch spurlos verschwunden?
Senchō berichtet mir von abenteuerlichen Begegnungen mit kleinen grauen Männchen und mit einer Kreatur, die er Dr. Krebs nennt, ein intelligentes Pilzwesen mit großem Interesse an chirurgischen Experimenten.
“Es gab da einen kleinen Zwischenfall”, sagt er, “wir mussten die Außentür zum Keller ersetzen.”
“Aha”, antworte ich knapp. Ich möchte gar nicht so genau wissen, was da vorgefallen ist.
Etwas später rufe ich auf Curdridge Hill an und erkundige mich bei Amanda nach dem Stand der Dinge. Die Straßen sind inzwischen beräumt und die Kohle ist geliefert worden, berichtet sie. Ich kündige an, dass ich morgen voraussichtlich gegen Mittag nach Hause kommen werde und bitte sie, meine Räume vorzuheizen.
Der Lord hat sich von Mycroft überzeugen lassen, erst morgen nach Frankreich zu fliegen.
“Ich muss erst zu Hause nach dem Rechten sehen”, sage ich, “vielleicht komme ich nach.” Auch Mari-chan ist noch nicht bereit, nach Frankreich abzureisen. Sie möchte sich ebenfalls nach einem längeren Sanatoriumsaufenthalt zunächst in ihrer Apotheke überzeugen, dass alles in Ordnung ist.









