Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

刀と自己と歌 (Katana to Jiko to Uta) – Ein Schwert, dich selbst und ein Gedicht

Es ist ein klarer und kalter Wintertag. Ich bin den ganzen Vormittag damit beschäftigt, die Ausrüstung von der von Mycroft verfassten Liste zusammen zu tragen. Werden wir wirklich so viel Material benötigen? Im Kofferraum des Model A ist genug Platz, also packe ich erstmal alles ein.

Nach der Mittagsmahlzeit brechen wir auf. Ich habe keine Ahnung, was ich zu finden hoffe, aber ich will etwas ausprobieren. “Wenn ich das Gedicht an der gleichen Stelle rezitiere, wie in jener Nacht, als der Spuk begann, bringt das vielleicht etwas”, überlege ich. “Willst du das alleine machen?”, fragt Mycroft. Ich erinnere mich noch deutlich an die Vorgänge beim letzten Mal. Es muss nicht heißen, dass es sich genauso wiederholen wird, aber ich will mich lieber absichern. “Nein, ich möchte, dass du auf mich aufpasst”, antworte ich, “ich weiß nicht, was wir finden werden und was passieren wird.”

Als wir in Odawara das Auto geparkt haben und uns ausrüsten wollen, stellen wir fest, dass wir drei oder vier Mal auf die Burg steigen müssten, um die gesamte Ausrüstung dorthin zu schaffen und genauso oft wieder herab, um sie zurück zu bringen. Wir beschließen, nur so viel mitzunehmen, wie wir tragen können, sind aber trotzdem noch ziemlich gut bepackt.

Auf den Burggelände auf dem Weg hinauf zum Heiligen Berg bemerke ich eine schwarze Katze, die mich interessiert beäugt. Es ist Kuro. Mycroft, der das Tier auch entdeckt hat, bleibt auf Abstand. Er weiß noch von der letzten Begegnung, dass die Katzen von Ulthar das Gelbe Zeichen nicht besonders mögen.

Ich gehe auf Kuro zu und knie mich in etwa einem Meter Entfernung vor ihm nieder. “Hast du eine Botschaft für mich, mein Freund?”, frage ich in Gedanken. “Wer bin ich an diesem Ort?”, antwortet Kuro in meinem Geist, “Du hast hier etwas zurück gelassen. Ein Schwert, dich selbst und ein Gedicht. Finde alle drei, und es wird sich dir offenbaren.” Dann wendet er sich ab und entschwindet in der Dämmerung. Ich sehe ihm noch eine Weile nach, dann erzähle ich Mycroft, was Kuro mir zu sagen hatte. “Das Schwert habe ich gefunden, das Gedicht trage ich in meinem Herzen, falls das die Antwort ist. Aber wie soll ich mich selbst hier finden.”Ich überlege hin und her. Was von mir selbst habe ich hier zurückgelassen, als ich Ujimasa war. Ich habe hier das Leben gelassen und meinen sterblichen Leid.
“Es ist sein Grab”, fällt es mir plötzlich ein, “ich muss sein Grab finden.” Ich weiß, dass Ujimasas sterbliche Hülle hier auf der Burg beigesetzt wurde, aber wo genau, das entzieht sich meiner Kenntnis. Das gilt es zunächst in Erfahrung zu bringen, bevor wir hier weitermachen.

Wir machen uns wieder an den Abstieg. Die Leute, die unten am Stadtrand die Schutzschreine pflegen, beobachten unser Treiben argwöhnisch. In der kleinen Ortschaft dürfte sich das schnell herumsprechen und vermutlich sind die Bewohner Odawaras nicht gerade begeistert davon, dass wir den ruhelosen Geist, vor dem sie sich so sehr fürchten, regelmäßig unsere Aufwartung machen. “Wir sollten uns vielleicht besser eine Unterkunft in einem anderen Ort suchen. Ich fürchte, wir sind hier nicht besonders willkommen.” Mycroft sieht das ähnlich und so fahren wir in die sechs Meilen entfernt liegende Ortschaft Minamiashigara und mieten uns dort in ein kleines Ryokan ein.