壮図 (Sōto) – Ein gewagtes Vorhaben
Ich lasse es am ersten Tag des Jahres 1921 ruhig angehen. Außer den obligatorischen Feiertagstelegrammen an meine Familienangehörigen, die ich telefonisch aufgebe, habe ich heute keine Verpflichtungen. Bei seinen Sprachstudien stößt Mycroft auf Gemeinsamkeiten im Schriftbild des Mandarin und des Japanischen, doch diese Entdeckung verwirrt ihn mehr, als dass sie ihn weiter bringt. Irgendwann gibt er frustriert auf.
Am Abend ist er sehr still – nicht die Art Stillsein einer Insichkehr, sondern vielmehr, als heckte er einen perfiden Plan aus. Nach einer Weile fragt er mich ziemlich unvermittelt: “Hättest du ein Problem damit, deine Haushälterin umzulegen?” Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Amanda verbirgt etwas, das ist mir bewusst. Immerhin gibt sie vor, jemand zu sein, der sie nicht ist. Weiß Mycroft vielleicht mehr über sie, als er zugibt? “Wenn die Umstände es erfordern”, antworte ich irritiert, “gibt es einen Grund?”
“Nein, das nicht”, erwidert er, “ich wollte nur deine grundsätzliche Bereitschaft prüfen. Ich habe etwas vor – etwas ziemlich verrücktes, aber es könnte funktionieren. Wenn er mich das nächste Mal zu sich zwingt, kann er was erleben. Ich weiß noch nicht genau wie, aber ich werde ein Attentat auf den Gelben König verüben.” Mycroft ist fest entschlossen, diese gewagte Idee auch in die Tat umzusetzen.
“Ich werde Unterstützung benötigen”, fährt er fort, “wenn ich ihm die zerbrochene Flöte vor die Füße werfe, brauche ich einen Weg zurück.” Er denkt dabei an den Lord of Carnarvon und seine Portalmagie. “Dann sollte am besten sofort ein Zauberspruch bereit sein, der den Fluch dessen, der nicht genannt werden darf, bannen kann.” Das klingt nach einem guten Plan, auch wenn er noch einige Lücken hat. Zum einen kennen wir keinen Zauber, um den, der nicht genannt werden darf, zu bannen. Zum anderen stellt die Frage des Timings ein Problem dar. Die Portalmagie der Kugeln geht immer auch mit einem Zeitverlust einher.
Während wir diese Probleme erörtern, hält Mycroft plötzlich inne und schaut sich nervös um. “Ich sollte nicht zu viel darüber reden”, meint er unsicher, “ich habe das Gefühl, dass er mich hören kann.”









