vectatio I
Erneut nehmen wir den Zug nach Brichester. Meine Taschenuhr zeigt elf Uhr fünfzehn als wir ankommen. Zurück in der örtlichen Bibliothek machen wir mit der höflichen Vorzimmerdame einen Termin mit dem Direktor aus, in einer halben Stunde sollen wir wiederkommen.
Wir nutzen diese Zwischenzeit um den verabredeten Treffpunkt aufzusuchen. Dabei beobachten wir wie Mrs Abdullah al Charie und Cpt Wigbold sich in ein Gespräch verwickeln lassen. Ein junger Mann scheint auf die beiden aufmerksam geworden zu sein. Kurzerhand tun wir so als gehörten wir nicht zu den Beiden und können an der Kaffeegetränkausgabe eine kurze Botschaft übermitteln ohne aufzufallen. Auf der Hauptstraße nutze ich zudem die Gelegenheit zwei Photos von den grauen Männern anzufertigen. Na mal sehen Henry, Photographieren war noch die deine Stärke.
Ein halbe Stunde später treffen wir Prof Dr Dr Philip Chesterton, ein zappeliger Typus. Seine Augen verraten mir das er irgendwelche Drogen nimmt oder die verbotenen Bücher seiner Bibliothek liest. Um seinen Hals trägt er eine Kette an dem der Schlüssel zu der abgeschlossen Sammlung hängt.
Nur ich darf mitkommen. Ich bin gespannt. Auf dem Weg zum Wesentlichen versuche ich zunächst nicht zu viel von mir zu verraten, aber er scheint mich von irgendwoher zu kennen. Warum ich hier sei, ‘Eine Studie der südlichen Grafschaften Englands und ihrer Geheimnisse, inklusive Severn Valley.’ Er ist misstrauisch. ‘Ob ich den Gral in den Händen gehalten habe’- ’Ich habe ihn gesehen’, Zugegeben, diese Frage habe ich ausweichend beantwortet und halte dieses Vorgehen für klüger. Daraufhin steckt er den Schlüssel wieder weg. Schade. Aber immerhin weiss ich jetzt woran ich hier bin.
Nach diesem Rückschlag mieten wir Pferde und ein Ausritt steht bevor, der schon von Beginn an unter keinem guten Stern steht. Zunächst bockt das Pferd von Lord Carnarvon und so biete ich ihm an mein Pferd gegen seines zu tauschen. Lord Carnarvon reicht mir zum ersten Mal die Hand und nennt mich einen Freund. Vielleicht sollte ich doch noch einmal über das britisch-schottische Verhältnis nachdenken?
Fünfzehn Minuten später erreichen wir Mercy Hill. Hinter Bäumen kommt ein großer Gebäudekomplex zum Vorschein. Eine Mauer schützt das Anwesen vor Eindringlingen. Cpt Wigbold vermutet hier ein Sanatorium. Wir umrunden die Anlage ostwärts, bedacht ausser Sichtweite zu sein. Hier und da späht der Kapitän durch das Fernrohr und kann hinter den Fenstern auch Patienten ausmachen, die seine Theorie zum Sanatorium bestätigen. Oder vielleicht ist es gar die Versuchsanstalt von Dr Krebs? Wir sollten diesen Ort im Auge behalten.
Etwas später weiter nordwärts wird Wald und Unterholz dichter, das Vorankommen schwieriger. Als ob die Natur sich gegen uns stellt. Vor mir reitet Lord Carnarvon als plötzlich sein Pferd scheut und wie von Sinnen in das Unterholz prescht. Dadurch wird meine Aufmerksamkeit abgelenkt und ich werde durch den Ast eines Baumes vom Pferd gestreift. Unsanft lande ich auf dem Boden, kann mich abrollen aber mein Po schmerzt, ein Stein. Und was für einer! Ein Kindskopf, ein Grey, denke ich zunächst. Völlig fasziniert von dem Stein vergesse ich Schmerzen und Geschehen um mich herum. Dann fällt es mir wieder ein. Lord Carnarvon, sein Sturz vom Pferd. Ich stehe auf und humple zum Ort des Geschehens. Cpt Wigbold und Mrs di Fiona kümmern sich bereits um ihn, ein Schluck aus dem Flachmann von Cpt Wigbolds Großvater bringt mich wieder halbwegs auf die Beine. Nach einer kurzen Diskussion beschliessen wir die Mission abzubrechen.
Meine Taschenuhr zeigt sechzehn Uhr als wir Brichester erreichen und mit einem verwundeten Lord Carnarvon den nächsten Zug zurück nach Gloucester nehmen. Während der Zugfahrt zeige ich den Stein herum den ich bei meinem Sturz gefunden habe. Auch das Studienbuch von Sigrun kommt mir wieder in den Sinn.
Vom Bahnhof aus bringt uns eine Droschke zurück in das Imperial Hotel, Dr Johnny untersucht umgehend Lord Carnarvon, anschliessend finden wir uns zu einer Lagebesprechung zusammen zu der auch Lord Carnarvon in seinem nun verordneten Korsett erscheint. Ich übergebe ihm den Kopf für seine Sammlung. Ja so sind sie, die steifen Briten.











