cerebrum (update)
Meine Taschenuhr zeigt den neuen Tag als ich zum ersten mal selbst in diesem Raum stehe. Deckenhöhe etwa 2.60 Meter. Vor einer Metallwand steht ein zerstörtes Großgerät. An der gegenüberliegenden Wand befindet sich das Hochrelief, welches Cpt Wigbold beschrieben hat.
Im Schutt entdeckt Mrs de Fleur Abdullah al Charie ein zylinderförmiges Behältnis. ‘Da habe ich schon interessanteres gesehen’ sind ihre ersten Worte, dann folgt ein Aufschrei als sie es näher betrachtet. Wohl durch ein Fenster kann man in das Behältnis hineinsehen. ‘Ein Gehirn und es scheint noch zu leben!’, das sind ihre zweiten Worte. Eine gruselige Vorstellung. Auch ich überwinde mich und inspiziere das Behältnis genauer. Es hat zwei Anschlüsse und von ihm geht Wärme aus. Das Gehirn, es schwimmt in einer blauen fluoreszierenden Flüssigkeit.
Zunächst fertige ich eine Photographie von dem Relief an und eine weitere von der seltsamen Apparatur. Als ich von dem Wandrelief zusätzlich eine Frottage nehme, bemerke ich, das die Augen ‘locker’ sind, wie Knöpfe die man hineindrücken könnte.
Wir testen den Mechanismus. Während die anderen Anwesenden den Raum gegenüber unerwarteten Vorkommnissen sichern, drücken Cpt Wigbold und ich zeitgleich in die Augen. An der Metallwand ist ein Klackern zu hören, aber es passiert nichts.
Neuer Plan. Ich drücke zunächst nur das linke Auge. Heureka, eine Art Rolltor öffnet sich in der Metallwand und sofort erfüllt ein Gestank der Verwesung meine Nase. Angewiedert senke ich den Kopf, dahinter muss sich der Raum mit den Homunkuli befinden. Und jene möchte ich nicht sehen.
Während ich das Behältnis mit dem Gehirn in das Auto bringe, hängt Cpt Wigbold die Homunkuli mit Bettlaken ab. Auf das uns beim Betreten des Raumes deren Anblick erspart bleibt.
Zurück am Ort des Geschehen liegt noch dieser starke Geruch der Verwesung in der Luft und wir müssen unsere Atemwege weiterhin mit Tigerbalsam täuschen. In dem Raum entdecken wir eine Truhe aus Metall, Maße etwa 120 x 60 x 80 cm. Cpt Wigbold holt Holzbohlen aus dem benachbarten Kellerraum und wir bocken die Truhe auf. Später werden wir sie abholen.
Als wir gegen drei Uhr in der Nacht das Hospital verlassen blickt Cpt Wigbold noch einmal zurück und erschrickt, ‘Da ist wieder eines der kindlichen Wesen, diesmal auf dem Dach!’
Zurück in Halton House wird das Gefäß mit dem Gehirn im Tresor eingeschlossen und ich gehe erschöpft schlafen.
Beim Frühstücksbuffet sind alle wohlauf. Um die Homunkuli zu entsorgen entscheiden wir uns für die ‘Unauffällige Variante’. Dafür bedarf es jedoch einiger Planung.
Es ist Dunkel (Eine wichtige Voraussetzung) und meine Taschenuhr zeigt achtzehn Uhr als wir über die Kohlerampe die Korpi auf den Innenhof und von dort auf den Lastkraftwagen hiefen. Puh, wie die stinken und wie schwer die sind. In sieben Seekisten werden sie verstaut und nach Bristol gebracht. Auch die Metalltruhe nehmen wir mit. Mrs de Fleur Abdullah al Charie steuert sicher den Lastkraftwagen.
Auf unserem Zwischenstopp in Curdridge Hill laden wir die Metalltruhe ab.
In Bristol angekommen beeilen wir uns, die Seekisten möglichst unerkannt an Bord der Nidelva zu laden. Mrs de Fleur Abdullah al Charie steigt in den leeren Lastkraftwagen und verabschiedet sich von uns. Mir wird mulmig. Ist dies wirklich der beste Plan, Henry? Dann legen wir ab. Cpt Wigbold weist mir meine Kajüte zu.









