Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

黒再会する (Kuro sakaisuru) – Wiedersehen mit Kuro

Heute ist Halbmond und eine gute Gelegenheit, das Rätsel um die schwarze Katze zu lösen. Ich erkläre nach dem Training, dass ich gedenke, zum heutigen Abend nach Exceter zu fahren und biete bei Bedarf die Gelegenheit zur Mitfahrt an, falls noch jemand etwas in den Traumlanden erledigen wolle. Lediglich Maikurofuto meldet Interesse an.

Ich bleibe bis zum Fünf-Uhr-Tee auf Highclere Castle. Anschließend breche ich zusammen mit Maikurofuto auf. Gegen acht Uhr erreichen wir das Haus von Joe. Ich habe ein paar Gaben für die vierbeinigen Hüter das Hauses mitgebracht und fülle die Näpfe an der Hauswand – wie schon bei meinem letzten Besuch – mit Leckereien für die Katzen.

Wir öffnen die Tür und betreten das Haus, das uns heute friedlich empfängt und willkommen heißt. Das Glasmosaik auf dem ersten Treppenabsatz erstrahlt hell im Licht des Halbmondes. Gelbe Katzenaugen blicken mich an. „Hallo, hier bin ich“, spreche ich in Gedanken, als ich ihren Blick erwidere.
„Hallo“, antwortet eine sanfte, freundliche Stimme in meinem Kopf, „ich freue mich, dass du gekommen bist. Was kann ich für dich tun?“
„Ich weiß nicht“, antworte ich, „du hast mich besucht und eingeladen. Ich wollte dich einfach nur treffen.“
„Dann komm doch zu mir, dann können wir uns unterhalten“, schnurrt es in meinem Kopf.
„Wo kann ich dich denn finden?“, frage ich.
„Ich bin in Ulthar“, lautet die Antwort.

Das Portal in die Traumlande in diesem Haus steht heute Nacht offen. „Ich gehe rüber nach Ulthar“, sage ich zu Maikurofuto, „willst du mitkommen?“ Maikurofuto nickt und folgt mir.

Als ich das Haus auf der Traumland-Seite verlasse, wartet dort bereits jemand auf mich. Es ist der schwarze Kater der eine Weile bei den Harringtons, meinen Nachbarn in Curdridge gelebt hat und auch mir schon den ein oder anderen Besuch in meinem Haus abgestattet hat. Als er mich sieht, kommt er auf mich zugelaufen und streicht schnurrend um meine Beine. „Das bist du ja“, höre ich ihn freudig in meinem Kopf maunzen, doch dann verändert sich seine Stimmung plötzlich. Sein Blick ist starr auf den Eingang zu Joes Haus gerichtet, sein Fell sträubt sich und er faucht und knurrt buckelnd in Maikurofutos Richtung, der gerade durch die Tür nach draußen tritt.
„Ist das ein Freund von dir?“, fragt der Kater skeptisch. Maikurofuto hat sich bereits in Bewegung gesetzt, um sich aus den Traumlanden zurück zu ziehen.
„Ja, das ist er“, antworte ich, „er trägt eine schwere Last im Moment.“
„Ich mag deinen Freund nicht“, sagt der Kater, „er riecht komisch. Aber jetzt ist er ja zum Glück wieder weg. Wie kann ich dir helfen?“
„Wie kommt es, dass ich mit dir sprechen kann?“, frage ich.
„Weil ich dich mag. Du bist nett“, antwortet das Tier, „das geht aber nicht immer. Am besten funktioniert es bei Halbmond.“
„Und was könntest du für mich tun, wenn ich deine Hilfe bräuchte?“
„Ich kann tun, was Katzen so tun können“, antwortet er, „in meiner Katzenart helfe ich dir jederzeit gerne. Du musst mir nur Bescheid sagen.“
„Im Moment brauche ich deine Hilfe nicht“, sage ich, „aber wenn ich dich einmal brauchen sollte, weiß ich jetzt, wo ich dich finden kann.Ich muss zurück, mein Freund wartet auf der anderen Seite auf mich. Doch bevor ich gehe, sag mir noch, wie soll ich dich nennen? Wie lautet dein Name?“
„Ich habe viele Namen“, antwortet der Kater, „aber der Name den du mir gegeben hast, gefällt mir eigentlich ganz gut.“
„Kuro?“, frage ich.
„Genau“, antwortet der kleine Kater, „das klingt groß und mutig und stark. Das finde ich gut.“
„Also gut, Kuro“, sage ich nun und verbeuge mich anständig und respektvoll vor meinem vierbeinigen Freund, „es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, mich mit dir zu unterhalten. Ich freue mich auf das nächste Mal.“

Auf der anderen Seite von Joes Haus harrt Maikurofuto meiner Rückkehr. „Die Katzen mögen mich offenbar nicht mehr besonders“, stellt er fest, „sie spüren Hasturs Schatten, der mir anhaftet.“ Hastur… Hastur… hallt es schaurig in meinem Kopf wieder. Ich verspüre den plötzlichen Drang mich ganz klein und unsichtbar so machen, als ob mich dies vor dem fernen, drohenden Blick, der aus dem Sternensystem Aldebaran auf uns gerichtet ist, verbergen könnte.