Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

* Operation Vril Phase II

Durch Pferdegetrappel werde ich geweckt & schaue auf die Rungestraße. Es ist 8.11 am Morgen, wie ich beim Blick auf meine Taschenuhr feststelle. Gründlich wasche ich mich, um dann erneut die Maskierung anzubringen. Mit falschen Bart & Perücke treffe ich Mary-Ann kurz zur Lagebesprechung in der Lobby ihres Hotels. Kichernd teilt sie mir, daß Sie bis 2 pm Veranstaltungen hat. Ich achte darauf, nicht von Dr. Passow gesehen zu werden. Doch zum Glück unterhält er sich angeregt mit einigen seiner Kollegen. Anschließend verlasse ich das Edelhotel unerkannt.

Hotel Adlon

Meine Zeit vertrödel mir ein wenig mit dem Studium deutscher Zeitungen in einem Cafe in der Friedrichstraße. Draussen findet eine Demonstration gegen die Weimarer Republik statt, die zum Glück friedlich vorbeizieht. Gegen 1 pm esse ich im Grand Hotel am Alexanderplatz, um dann anschliessend gleich Lord Carnarvon anzurufen. Nach wenigen Minuten des Wartens meldet er sich mit einem typisch reservierten Ton:

Yes, Mr. Summerset? Im pleased to hear you! What is the situation?

Wir reden in einem spontan in einem merkwürdig verspielten Ton & Sinn miteinander, der für Uneingeweihte wie die Einkaufliste für ein Tuckenpärchen anmuten muß.

…und ganz wichtig, denken Sie an die vrilischen Delikatessen aus den Landen Granulatum, unsere Nachforschungen haben ergeben, daß sich diese Zutaten für unser Festmahl besonders eignen.

Die unterschwellige Nachricht verstehe ich sofort, meine Freunde haben Hinweise, dass das gesuchte Granulat bei der Thule-Gesellschaft zu finden sein muß. Zum Glück haben das die Fischmonster nicht… ich erwidere:

„Vorzüglich, mein Lord. Ich werde gleich loseilen, um am Markt den Herrn Thul anzuhören, er kennt interessante Kochrezepte. Auf bald, mein Freund!

Mit diesen Worten hänge ich auf, bevor ich lachen muß oder sonstwie verrate. Mit leichter Paranoia schaue ich mich nach Verfolgern um, doch alles scheint normal. Ich wende mich dem Treffpunkt mit Mary-Ann zu & rauche auf dem Weg zur Börse eine deutsche Zigarette.

Pünktlich 2 pm erscheint Mary-Ann zufrieden am Treffpunkt. Sie hat einiges in Erfahrung gebracht & wir bringen Ihre reichlichen Unterlagen in ihr Hotelzimmer. Mit der verbleibenden Zeit fahren wir mit der Stadtbahn nach Osten, bis nach Friedrichshagen. Wir schauen uns Kunst an & schlendern über einen Trödel. Nach einem sehr schmackhaften Kuchen in der Gaststätte „Zum alten Fritz“ leihen wir uns Pferde bei der Reitstall Lehmanns aus & reiten nach Hoppegarten.

Hoppegarten Rennbahn

Mit leichter Wehmut betrachte ich die Renn- & Tribunenkulisse, die nun geschlossen ist. Wegen meiner Schußverletzungen konnte ich nicht am finalen Rennen zugegen sein. Gerade als wir im Gehen begriffen waren, sehe ich einen Mann, der ein Rennpferd striegelt. Mary-Ann, die Pferdenärrin, reitet sofort hin & bittet um ein Ausritt auf der Pferdebahn.

Widerwillig & nur gegen etwas Bares gibt er den Prachthengst an Mary-Ann ab, die sich freut wie ein Kind & gleich mehrere Runden in Höchstgeschwindigkeit vollzieht.

Alle Achtung, dee Lady hats druuf!“ meint der Pferdekenner.

Wohl wahr, sie ahnen garnicht, wie sehr! Gestatten, Mr. Summerset aus Halifax“ & wir schütteln die Hand.

Treschke, Stephan Treschke aus Hobbegardjen

Ich stelle nun fest, der Gute hat etwas früh angefangen, Feierabend zu machen. Ich biete ihm einen Schluck Gin an, den er gerne trinkt. Wir unterhalten uns angeregt über verschiedene Brandweine & Alkoholika, bis Mary-Ann eintrifft. Da er anscheinend ein Pferdekenner ist, lade ich ihn ein, auf dem Gestüt des Lord vorbeizuschauen, was er gerne annimmt. Gerade in den Wintermonaten hat er wenig zu tun & schaut gerne bei mir vorbei.

Da es bereits später geworden ist, überlasse ich Herrn Treschke, der die Lehmanns gut kennt, die ausgeliehenen Pferde & wir fahren mit der Stadtbahn zurück zum Alexanderplatz. Wir essen in einem kleinen aber feinen Restaurant am Kollwitzplatz & fahren dann zur Grünestrasse mit der Droschke.

Grünstrasse

 

Als wir eintreffen, sehe ich bereits einige Leute vor dem Eingang. Anscheinend ist das Thema bei der deutschen Bevölkerung sehr beliebt. Dann sehe ich auf dem Hinterhof einen weißen Mercedes parken. „Was für ein Zufall!“ denk ich mir „Die haben wir doch schon beim ersten Berlin Besuch bemerkt. Sie schienen über unsere Ankunft damals informiert gewesen zu sein.

Verdächtiges Auto, vermutlich Thulisten

Wir betreten das Gebäude, in dem schon viele Menschen Platz genommen haben. Vorne steht ein Redner, der sich als Rudolf von Sebottendorf vorstellt. Schnell redet er über außerirdisches Leben & Beweise, die die Thule Gesellschaft gefunden haben soll.  Mit diesen Worten betritt eine bildschöne Blondine die Bühne, mit einem grossen metallischen Gefäß.

Geheimnisvolle Marija

Sie referiert über uralte Magie, die man durch ein aktives, bewusstes Sexualleben aktivieren & steigern kann. In diesem Punkt stimme ich Ihr vollendens zu. Ich werde etwas unruhig, das Charisma der Maria Orsic scheint sogar meine Knochen hindurch zu vibrieren. Kein Wunder, das der Lord Ihr sofort zu Füssen lag & sich bereitwillig den Bauch streicheln ließ.

Maria Orsic from VRIL Society

Nun wird es noch interessanter: Sie läßt das Licht dimmen, um den metallischen Behälter zu öffnen. Ein mir bekanntes, blaues Glitzern scheint durch den Raum, als rein
es Orichalkum sichtbar wird. Ein breites Grinsen kann ich kaum verhindern, ich halte mich im Hintergrund. Marija kennt anscheinend ausserirdische Technologien & führt als Beweis diese Substanz an, die als Munition, Antrieb oder Kühlung genutzt werden kann.

Zum Abschluß zeigt sie ein gläsernen kleinen Behälter, in denen sich kleine Steine befinden. Laut ihren Aussage ist auch dieses Material ausserirdischen Ursprung & kann derzeit von den Wissenschaftler nicht zugeordnet werden.

Es gibt Applaus & leider für mich keine Möglichkeit, ein oder zwei Sätze mit der kurvenreichen Wissenschaftlerin. „Sie würde deine Tarnung sofort durchschauen, Mycroft!“ warnt mich mein 6. Sinn. Mary-Ann ist auch ergriffen & schaut mich fragend an.

Ich hake mich bei Ihr ein, zusammen schreiten wir hinaus. Der Vortrag wird offiziell beendet, doch in der Straße draussen toben Klassenkämpfe. Polizei rückt an & arbeit sich mich Knüppeln durch die Menge, treibt die Unruhestifter langsam von uns weg.

Viele Menschen warten, bis die Unruhen abflauen, um dann schnell zu verschwinden. Mary-Ann & ich wechseln die Straßenseite & nehmen in einer dunklen leeren Seitengasse Position ein.

Was nun?“ fragt Mary-Ann aufgeregt. Sie spürt meine Erregung.

Wir müssen da heute noch rein. Ich habe nur keine Waffen.

Ja, natürlich“ antwortet sie, sieht aber etwas geschockt aus. Nach reiflicher Überlegung sehe ich die letzten Anwesenden verschwinden. Ein dicker, großer  & ungepflegter Mann scheint das Haus zu verschließen & verschwindet im Nebengebäude.

Mit einem lauten Brummen fährt der silberne Mercedes im rasanten Tempo, ich meine Marija & eine mir unbekannte dunkelhaarige Frau zu sehen. Wir ducken uns weg, bis sie vorüber sind. Mary-Ann schaut mich wieder stumm fragend an.

„Ich muss was besorgen, ohne Hilfsmittel kommen wir hier nicht weiter.“ stelle ich fest. Mary-Ann schaut mich an. Uhrzeit: 11:11 pm. „Gut, ich rufe nochmal im HC an.“ Wir fahren in einer Droschke zurück & meine Gedanken rasen.

Als ich im Hotel ankomme, dreht sich alles. Nachdem ich mich bei Mary-Ann frisch gemacht habe, rufe ich bei HC an, erstatte kryptisch einen Bericht & erbitte um Hilfe oder Hilfsmittel. Die Überlegung, in den Underground zu gehen, verwerfe ich rasch wieder.

Mycroft schaut Mary-Ann lange an

Ich habe Chloroform. Hilft das?“ sagt eine gelangweilte Mary-Ann. Ich schaue sie 2 Minuten stumm an. Als meine Fassungslosigkeit wieder verblasste, erwidere ich „Ja, verdammt!„.

Das habe ich immer dabei, das wißt Ihr doch! Warum sagt Ihr denn nichts?“ Brummelnd lege ich wieder die Maskerade an & wir machen uns wieder auf, diesmal zu Fuss.