* Get on your feets!
Heute kann ich erstmal wieder schreiben, nach einer langen Zeit, in der ich nicht wach oder bewußt war. Überhaupt verschwimmen die Erinnerungen an die stürmische See, den Turm, den Abstieg…bis der Wahnsinn uns in seinen Strudel mitzog – fast hätte es mich meinen Verstand gekostet. So nah am totalem Scheitern will & werde ich nie wieder sein.
Am heutigen Tage habe ich mir freigenommen von der Klinik, um mit meinen Kameraden Normalität zu erleben & meine Angelegenheiten hier zu regulieren. Mein Therapeut, der mich eh für völlig durchgeknallt hält, hielt es auch für einen großen Schritt zurück ins das Leben. Pfft – meine detailtreue Skizze von dem Tentakel Unwesen hat er als Drogenresultat abgetan – Stümper! Meine Selbstmedikation hat mich gerettet!
Meine Freunde haben eine Passage gebucht, mein übrig gebliebenes Gepäck ist bereits auf der HMS Scotland. Deswegen freue ich mich sehr, bald zurück in die Heimat zu gelangen – zurück zu Dr. Nidelvin nach Highclere Castle. Sie leistet auf dem Anwesen meines Freund Lord Carnarvon in der experimentellen Abteilung fortschrittliche Arbeit & stellt laufend neue revolutionäre Therapeuten ein. Sie schwört neben tantrischen Ritualen auf den Bregonischen Elektrostuhl, der viele psychotische Leiden über Nacht lindert, teilweise sogar ganz heilt.
Zunächst telegrafiere ich meiner Traumgefährtin, berichte Ihr kurz von meiner Psyche & meinen Vorhaben, bald wieder in Highclere Castle zurückzukehren. Dann bitte ich den Rechtsanwalt O´Reily, mich zu besuchen & zu sprechen, um meine Angelegenheiten hier zu regeln. Er soll veranlassen, den Silver Ghost meines Onkel Henry Winterbottom nach England verschiffen – ich gebe durch ihn den Arbeitern reichlich Tip, um eine sicheren Transport zu gewährleisten. Pläne für die Neubewirtung zur Rinder & Schafzucht sowie Wacholderbeeren, Schlafmohn & Marijuana Plantagen werde ich meinen neuen Rechtsanwalt später zukommen lassen. Er freut sich über den Auftrag & nach einer angemessenen Verhandlung über die Kosten verabschieden wir uns als neue Geschäftspartner. Mein Londoner Rechtsanwalt & langjähriger Freund, Mr. Pommeroy, gebe ich auch Bescheid via Telegramm. Er antwortet sofort, wünscht mir alles Gute für die Reise & wird alle Planungen & Transaktionen mitleiten.
Just in dem Moment, wo ich die Zimmertür aufschliesse, erscheint der Lord. Er erkundigt sich nach meinem Befinden & stellt mir eine junge Wilde vor, die hier im Krankenhaus als Krankenschwester & Schamanin arbeitet, wenn die Patienten dies wünschen. Unsere Blicke treffen sich, erstarren, sind fasziniert & gefangen. Langsam bewegt sie sich auf mich zu & drückt mit geschlossenen Augen Ihre Nase-Stirn Partie auf meine! Ich bin verdattert, elektrisiert. „Hongi“ meint sie lächelnd. Der Lord nickt stumm & empfiehlt sich. Im gebrochenen Englisch stellt sie sich mit „Tena-Korua, mein Neim is Aweiku Tihe-Mauri-Ora“ & fragt mich zugleich, wie Befinden ist. Meine kurze & ehrliche Erwiderung – tief & schauerlich sind meine Heimsuchungen von bösen Geistern mit Tentakeln – läßt sie um Luft ringen. Sie schlägt eine sofortige maorisch-schamanische Schwitzheilung vor. Wir gehen auf mein Zimmer, wo sie mit dem Ritual der Reinigung beginnt. Uns geht es anschliessend viel besser, die Anspannung schlägt in kindliche Freude um. Sie teilt mir lachend Ihre Vorfreude auf die Seereise mit, aber dass sie keinerlei westliche Kleidung besitze. Sofort lasse ich mehrere Kollektionen sowie einen Friseur kommen, der die Gute zivilisiert herrichtet, was Ihr ausserordentlich Spass macht.
Anschließend gehen wir zum Basar, meine Freunde sind guter Dinge, Sanjuro geht auch wieder auf eigenen Beinen. Leider ist Carla etwas indisponiert, was ich aber gut verstehen kann. Ohne charmante & aufbauende Begleitung von Auweika würde ich es auch nicht ertragen. Dann sehe ich einen Verkaufsstand, wo ein neuartiger Flugfallschirm angeboten wird. „Damit können Sie vom Himmel herabgleiten“ Sofort zündet meine Fantasie & ich sehe mich mit meinen Fluggefährten von Carcossa zusammen durch die Lüfte gleiten – kaufe es. „Für die Therapie“ murmel ich beim Bezahlen!












