Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

造作換え (Zōsaku kae) – Um-Einrichtung

Ich erwache aus einem skurrilen Traum. Ich war in Yushinkan Dōjō, dem ich mit fünfzehn Jahren beigetreten war, und erhielt zusammen mit ein paar anderen Unterweisungen von Meister Negishi, was für uns eine große Ehre darstellte. Die Zeiten, da gute Schwertkämpfer wirklich gebraucht wurden, sagte der Sensei, seien längst vorüber und wir bräuchten uns keine Illusion zu machen, dass diese Zeiten zurück kommen würden. Der Weg des Schwertes, das Kendō, sei heute umso mehr ein philosophischer und spiritueller als noch vor einem halben Jahrhundert. Ich stelle plötzlich fest, dass ich auf einmal völlig unbekleidet bin und allein. Nein, nicht ganz allein. Da ist noch jemand, aber es ist niemand aus meinem alten Dōjō. Es ist….. Mari-chan????? Negishi-senseis Stimme hallt noch nach, aber warum spricht er plötzlich Englisch? „Sex ist kein Problem. Sex ist eine körperliche Funktion“, höre ich ihn sagen.

Nach einem ersten Schock über die Abgründe meines (Un)Bewußtseins muss ich innerlich über mich lachen. Dieser Professor Jung scheint Eindruck bei mir hinterlassen zu haben.

Es dämmert. Das erste Licht des Tages klettert noch zaghaft über den östlichen Horizont. Es wurde gestern Abend etwas später und ich zog es vor, zu so fortgeschrittener Stunde nicht nach Curdridge Hill zurück zu fahren und stattdessen eines der Gästezimmer des Castles in Anspruch zu nehmen.

Ich nutze die Gunst der frühen Stunde, um ein paar zusätzliche Trainingseinheiten einzulegen. Ob Ermangelung eines [simple_tooltip content='“Bambusschwert“,  Sportgerät im Kendō‘]Shinai[/simple_tooltip] oder [simple_tooltip content='“Holzschwert“ – im nivgt-japanischsprachigen Raum  als fälschlicherweise unter der Bezeichnung „Bokken“ bekannt]Bokutō[/simpke_tooltip] suche ich mir einen Stock, der an Gewicht, Größe und Form etwa dem eines Katanas gleichkommt und bestreite auf dem taufeuchten Rasen barfuß und nur mit Pyjama und Bademantel bekleidet meinen einsamen Kampf gegen imaginäre Riesenkraken und -würmer. Der vorbeikommende Gärtner schüttelt verständnislos den Kopf, als er mich sieht. Armer Unwissender … 

Beim Frühstück treffe ich Senchō. Er will nach Bristol fahren, um ein paar Sachen abzuholen. Ich bitte ihn, mich auf dem Weg auf Curdridge Hill abzusetzen.

Eren-san ist bereits vor Ort, als ich zu Hause ankomme und begrüßt mich höflich und zuvorkommend. Er habe die Lebensmittelvorräte, die zu besorgen ich ihn beauftragt hatte, bereits in die Küche gebracht. Ich bedanke mich bei ihm und begebe mich in den „Drawing Room“. Wir hatten hier gestern bereits einiges beräumt und die Möbel und einen etwa vier mal vier Meter großen Teppich in den Keller verfrachtet. Die Sofagarnitur und der dazugehörige Couchtisch fanden einen neuen Platz im Esszimmer. Bis auf zwei Regale, einen Kleiderständer und ein paar auszuräumende Frachtkisten ist der Raum nun völlig leer. 

Den Vormittag bringe ich damit zu, den “ Drawing Room“ in ein Dōjō zu verwandeln. Der glatte Parkettfußboden bietet eine gute Basis. Es dauert gute zwei Stunden, bis ich mit der Einrichtung endlich zufrieden bin. Den Nachmittag widme ich der Umgestaltung der Esszimmermöbel. Tisch und Stühle sind für meinen Geschmack viel zu hoch, also werden die Stühle kurzerhand ihrer Beine entledigt und der Tisch der seinigen Länge um einiges beraubt. Ich lasse mich dabei von Eren-san unterstützen, der meiner Idee im ersten Moment ziemlich fassungslos gegenüber steht. Gegen vier Uhr am Nachmittag ist dann alles zu meiner Zufriedenheit erledigt. Eren-san verabschiedet sich und macht sich auf den Weg nach Hause zu seiner Familie.

Ich versuche mich in Meditation, aber es will mir nicht gelingen. Erst ist es eine lästige Fliege, dann ein unsägliches Jucken im Nacken, das mich ablenkt. Zudem springen meine Gedanken in alle möglichen Richtungen und es ist mir schier unmöglich, mich zu konzentrieren. Als dann die Haustür aufgeht und Senchō mit einem lautstarken „Bin wieder da!!!“ in das Gebäude stürmt, ist es endgültig vorbei. Ich gebe auf.

Zumindest habe ich jetzt einen Sparring-Partner. Senchō weiß zwar noch nichts von seinem Glück, läßt sich aber nach einigem Hin und Her zu einem Trainingskampf überreden – allerdings besteht er darauf eine [simple_tooltip content=’Beim Kendō getragene Rüstung.‘]Bōgu[/simple_tooltip] anlegen zu dürfen. Ich verzichte auf Schutzkleidung, aber bei unserem Training wird mir schnell klar, warum Senchō sich im Kampf gegen mich lieber hinter einer Rüstung in Sicherheit bringen wollte.