Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

緑の夢魔 (Midori no moma) – Albtraum in Grün

Mari-chans Drogen zeigen schnell Wirkung. Wir machen uns wieder auf den Weg durch das Straßenlabyrinth. Senchō hatte versucht, einen der Stachel vom Schädel des Wurmes als Trophäe mitzunehmen – leider ohne Erfolg. Dafür braucht Maikurofutos Machete nun eine Generalüberholung. Senchō hat es geschafft, die Klinge stumpf und schartig zu schlagen. Nach langem Hin und Her kann Maikurofuto mich überreden, ihm Kirishimo zu leihen. Ich tue das sehr ungern, aber ich bin momentan wirklich nicht in der Lage, selbst zu kämpfen. 

Nach einer Weile sehen wir wieder einen dieser Riesenwürmer aus seiner Behausung krabbeln. Flucht steht dieses Mal nicht zur Debatte. Auch wenn ich meine Schmerzen kaum spüre, merke ich, dass mir die Kraft in meinem Bein fehlt. Senchō muss mich stützen, damit wir überhaupt vorwärts kommen. 

Maikurofuto stürmt mit einem seltsamen Gerät im Anschlag vor. Das Gerät beginnt zu leuchten, ein heller Blitz löst sich daraus und trifft den Wurm. Die Kreatur erstarrt augenblicklich zu Eis. Ich traue meinen Augen kaum und frage mich, warum Maikurofuto mich um Kirishimo gebeten hat, wo er doch über eine viel effektivere Waffe verfügt. 

Wir nähern uns unserem Ziel. Vor uns eröffnet sich ein geräumiger Platz an dessen Ende ein großes Becken zu erkennen. Von unserem derzeitigen Standpunkt aus wirkt es, als sei das Becken mit einer geleeartigen, grün leuchtenden Masse gefüllt. Neben dem Becken trohnt auf einer Stehle eine weitere dieser grünen Kugel, von denen Maikurofuto und Lorudo-san so besessen sind.

Wir hören wieder das uns mittlerweile vertraute Kratzen eines aus dem Gestein kriechenden Riesenwurmes. Maikurofuto legt erneut seine Eiswaffe an und ein gleißender Strahl trifft den Wurm. Dieses Mal wird die Kreatur nur zur Hälfte eingefroren, doch das genügt, um sie aufzuhalten. 

Karura-san kann ihre Neugier nicht zügeln und bittet Senchō, sie auf seine Schultern zu heben, damit sie einen Blick in das Becken werfen kann. Das war ein Fehler. Schreiend stürzt Karura-san von Senchōs Schultern. Wahnsinnig grinsend und hysterisch lachend wiederholt sie immer wieder: „Es gibt ihn wirklich! Er ist riesengroß!“ Mari-chan versucht sie zu beruhigen, aber Karura-san scheint aus einem finsteren Albtraum nicht mehr aufwachen zu können.

Verheißungsvoll leuchtet die grüne Kugel. Wir sind uns ziemlich sicher, dass das Relikt hier in irgendeiner Art vor Dieben geschützt wurde. Neben der Stehle finden wir noch eine seltsame Inschrift, die wir aber nicht entziffern können. Es werden Pläne für unseren Rückzug gemacht. Ich werfe ein, dass oben im Turm noch die Mannschaft der Arumina auf uns wartet und wir einigen uns darauf, dass wir zunächst versuchen wollen, auf dem Weg auf dem wir gekommen sind, zu fliehen. Falls irgendetwas diese Option verhindern sollte, sollen Lorudo-sans magische Kugeln zum Einsatz kommen. Er soll mit ihrer Hilfe ein Portal erschaffen, das uns von hier weg bringt. Wir einigen uns darauf, dass die Winterbottom-Ranch in Kyeburn das Ziel sein soll. 

Die Anspannung steigt, als Maikurofuto seine Hände um die Kugel legt. Er hebt die Kugel von ihrer Stehle und just in diesem Moment (wer hätte etwas anderes erwartet…) beginnt das Becken zu brodeln und zu blubbern. 

„Rennt!“, schreit Maikurofuto, „Und schaut auf keinem Fall zurück!“ Wir machen, dass wir fortkommen. Mari-chan zerrt Karura-san hinter sich her – ich stütze mich auf Senchō. Wir sind gerade einmal ein paar Meter vorwärts gekommen, als ein frostiger Blitz meinen Geist durchdringt. Eine innere Kälte breitet sich in mir bis in die äußersten Spitzen meiner Glieder aus und ich habe das Gefühl, mich nur noch sehr langsam fortbewegen zu können. Ein grüner Tentakel schiebt sich zwischen meinen und Senchōs Beinen hindurch und umschlingt die Beine meines Begleiters. Senchō stürzt. Ich höre Schüsse hinter uns und der Tentakel zieht sich wieder zurück. Derweil spricht Lorudo-san eine Beschwörungsformel aus. Vor ihm öffnet sich eine Art mit einer wirbelnden Dunkelheit gefülltes Loch in der Luft. Mari-chan springt mit Karura-san im Schlepptau als erste hindurch. Dann folgt Senchō zusammen mit mir. Ich werde von einem ähnlich körperlosen Gefühl wie bei unserer abrupten „Abreise“ damals in Visoko erfasst und spüre wieder eine leichte Panik in mir aufkeimen. Das Ganze ist schnell vorbei. Ehe ich mich recht besinnen kann, finde ich mich auf der Winterbottom-Ranch wieder. Auch meine Freunde sind da. Maikurofuto geht es nicht besonders gut. Er ist nichts weiter als ein wimmerndes Häufchen Elend und hockt zusammengekauert auf dem Boden. Das Grundstück selbst wirkt normal. Das Wohnhaus steht noch, zeigt aber ein paar mehr Verfallsspuren, als bei unserem letzten Besuch. 

Senchō macht sich auf den Weg zum nächstgelegenen Gehöft und kehrt nach einer Weile mit Jimmy Carter und seinem Highwheeler zurück. Carter bietet uns an, uns nach Kotonga zu fahren, wo wir den Zug nach Dunedin nehmen können. Was uns widerfahren sei, möchte er wissen. Senchō berichtet, dass wir uns bei einer Expedition verirrt hätten und dass wir nur knapp einem riesigen Laufvogel entkommen konnten. „Es gibt ihn wirklich! Er ist riesengroß!“ , babbelt Karura-san. Carter bringt sein Mitleid und seine Besorgnis zum Ausdruck. Senchō fragt nach dem heutigen Datum. Wir hätten die Zeit aus den Augen verloren. Es sei der erste Mai des Jahres 1920, erklärt Carter. Wir haben also mehr als vier Monate übersprungen.