Auf Cthulhus Spur

Gepflegtes Rollenspiel rund um den kriechenden Wahnsinn

裁判沙汰に (Saibon zata ni) – Vor Gericht

Schon am Morgen um 8:30 stehen wir am Hafen um Henuri-san zu verabschieden. Sein Schiff ist die Fujisan aus der Passagierflotte der Tokyō Kisen Gaisha (Dampfschifffahrtsgesellschaft Tokyō) legt um 9:00 Uhr ab.

Um 10:00 Uhr beginnt Mari-chans Verhandlung. Sie findet in einem kleinen Gerichtsraum statt. Die Verhandlung ist zwar öffentlich, aber ich bin der einzige Zuschauer. Der Richter eröffnet die Verhandlung und der Staatsanwalt ruft seinen ersten Zeugen auf, den Zollbeamten, der bei Mari-chans Einreise feststellte, dass ihre Papiere gefälscht waren. Er erklärt dem Richter, was passiert ist. Ein gerichtlich bestellter Dometscher übersetzt die Aussage für Mari-chan ins Englische. Als nächstes wird ein Analyst für chemische Substanzen aus den Reihen der Ermittlungsbehörden in den Zeugenstand gerufen. Er erklärt, dass er die Substanzen aus dem beschlagnahmten Koffer, analysiert und identifiziert hätte. Bei den meisten Substanzen handelt es sich um harmlose Verbindungen, es waren aber auch einige Medikamente in dem Koffer, die hätten deklariert und deren Notwendigkeit für den Mitführenden ärztlich attestiert hätte werden müssen, jedoch in einem so geringen Umfang, dass hier von Eigenbedarf ausgegangen werden und die kriminelle Intention eines Drogenschmuggels ausgeschlossen werden kann.

Zuletzt ruft Ibuka-san Mari-chan selbst in den Zeugenstand. Sie ist sichtlich nervös, hat sich aber heute ungewöhnlich gut unter Kontrolle. Die Ernsthaftigkeit der Situation ist ihr durchaus bewußt. Der Staatsanwalt fragt sie, wer diese Papiere für sie ausgestellt hätte. Ich spüre eine gewisse Anspannung in mir. Hoffentlich verplappert sie sich nicht. Aber Mari-chan macht ihre Sache gut. Sie selbst habe die Papiere angefertigt, sagt sie. Sie habe versäumt, vor ihrer Abreise aus England die Unterlagen für die Einfuhr der Substanzen anzufordern und kam daher auf die Idee, die Dokumente selbst anzufertigen. Warum sie nach Japan gekommen sei, will der Staatsanwalt weiter wissen. Sie wollte einen seltenen Pilz, der nur im Aokigahara vorkomme, untersuchen, erzählt Mari-chan. Der Staatsanwalt weist darauf hin, dass Mari-chan bereits vor einem halben Jahr wegen eines ähnlichen Vergehens bei der Einreise über Mito auffällig geworden war. 

Der Richter unterstützt Ibuka-sans Verteidigungsstrategie, die Mari-chans Fehlverhalten mit jugendlichem Leichtsinn erklärt. Nichts desto trotz, verkündet er, könne er es nicht bei einer Verwarnung belassen. Die Fälschung von amtlichen Dokumenten sei kein Kavaliersdelikt, erklärt er und verurteilt Mari-chan zu einer empfindlichen Geldstrafe von ¥1.500. Hinzu kommen noch die Gerichts- und Anwaltskosten. Sollte sie nicht in der Lage sein, das Geld für die Strafe aufzubringen, könnte Sie eine zwölfmonatigen Ersatzhaft antreten. Bis zum Begleichen der Schuld dürfe Mari-chan Japan nicht verlassen.

Da Mari-chan zu ihrem Verhandlungstermin erschienen ist und ihr Urteil entgegen genommen hat, kann ich meine Kaution auslösen. An der Gerichtskasse bekomme ich meinen Check ausgehändigt.

Als wir die Arumina erreichen, werden wir schon gespannt erwartet. Mari-chan berichtet fröhlich, dass sie nur zu einer Geldstrafe verurteilt worden sei. Maikurofuto erkundigt sich nach der Summe. Mari-chan nennt ihm die angefallenen Kosten. Maikurofuto zuckt mit den Schultern und gibt ihr das Geld aus der Expeditionskasse. Wir alle sind für eine schnelle Abwicklung der Angelegenheit. 

Bis zum Abend ist alles geregelt und wir setzen Segel in Richtung Neuseeland. Wir werden etwa drei bis vier Wochen unterwegs sein.